Industrie

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Eon und RWE: Deutsche Energiekonzerne ziehen sich aus Osteuropa zurück

Die deutschen Energiekonzerne Eon und RWE trennen sich von ihren Gastöchtern in Ungarn und Tschechien. Während der eine dem politischen Druck nachgibt, braucht der andere dringend Geld.

Net4Gas, die tschechische RWE-Tochter, wechselt den Besitzer. Quelle: Reuters
Net4Gas, die tschechische RWE-Tochter, wechselt den Besitzer. Quelle: Reuters

Essen/Budapest/PragAm Ende war der politische Druck zu hoch: Düsseldorfer Energiekonzern Eon hat seine ungarische Gassparte an den staatlichen Elektrizitätskonzern MVM verkauft. Die rechtnationale Regierung des ungarischen Ministerpräsident Orban verfolgt den Plan, relevante Energiebetriebe wieder zu verstaatlichen. Der Staatsbetrieb MVM entrichtet für Eons-Gassparte einen Kaufpreis von rund 870 Millionen Euro, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Budapest mit. Eons ungarisches Gasgeschäft umfasst Erdgaslager sowie eine Erdgas-Handelssparte. Die Transaktion werde in der zweiten Hälfte dieses Jahres abgeschlossen sein, hieß es in der MVM-Mitteilung.

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Eon und der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban hatten bereits Ende des Vorjahres eine Absichtserklärung über den Verkauf unterzeichnet. Damals war man noch davon ausgegangen, dass die Kaufvereinbarung bis Ende Januar unter Dach und Fach gebracht würde.

Das sind die größten Stromverbraucher weltweit

  • Platz 1: China

    China ist die weltweite Nummer Eins unter den Stromverbrauchern. Kein anderes Land benötigt mehr Strom. Auch bei der Stromerzeugung ist das Land an der Spitze, exportiert jedoch nicht besonders viel von seiner Energie. Im Ranking der Strom exportierenden Länder belegt die Volksrepublik nur den neunten Platz.

  • Platz 2: USA

    Der zweitgrößter Stromverbraucher der Welt ist die USA. Fast fünf Prozent der installierten Stromerzeugungskapazität waren im Jahr 2010 regenerative Energien.

  • Platz 3: Japan

    Den dritten Platz der größten Stromverbraucher belegt Japan. Das Land ist zugleich viertgrößter Stromproduzent der Erde, vor ihm liegen nur Russland, China und die USA. Mit seinen Erzeugungen versorgt sich Japan im Gegensatz zu diesen Ländern jedoch ausschließlich selbst.

  • Platz 4: Russland

    Fast genauso viel Strom wie Japan verbraucht Russland und liegt somit auf dem vierten Platz der weltweit größten Verbraucher. Das Land ist zudem drittgrößter Stromproduzent.

  • Platz 5: Indien

    Der fünftgrößte Stromverbraucher der Welt ist Indien. Kein Wunder: Das Land ist nach China das bevölkerungsreichste der Welt, 1,3 Milliarden Einwohner leben dort laut Schätzungen.

  • Platz 6: Kanada

    Auf dem sechsten Platz der größten Stromverbraucher gibt es eine Überraschung: Kanada. Dabei ist das Land relativ spärlich besiedelt, nur 34 Millionen Menschen leben dort.

  • Platz 7: Deutschland

    Mehr als doppelt so viele Einwohner wie Kanada hat Deutschland, und ist dennoch hinter dem nordamerikanischen Land, wenn es um den Stromverbrauch geht. 545 Milliarden Kilowattstunden wurden 2011 verbraucht. Beim Export von Strom ist Deutschland hingegen fast Spitze. Im weltweiten Vergleich exportiert nur Nachbarland Frankreich mehr.

  • Platz 8: Frankreich

    Als Stromexporteur ist Frankreich die weltweite Nummer Eins. Beim Stromverbrauch liegt das 65 Millionen Einwohner-Land dagegen nur auf dem achten Platz.

    Die Franzosen setzen bei der Stromerzeugung voll auf Atomkraft. 58 Meiler waren 2011 in Betrieb. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im gleichen Zeitraum neun Atomkraftwerke, in Spanien acht und im Vereinigten Königreich 18.

  • Platz 9: Brasilien

    Neungrößter Stromverbraucher ist Brasilien. In dem südamerikanischen Land leben 200 Millionen Menschen.

  • Platz 10: Südkorea

    Südkorea ist auf dem zehnten Platz der größten Stromverbraucher der Welt. Das Land versorgt sich laut der US-Informationsbehörde CIA komplett selbst, importiert also keinen Strom. Seinen Strom erzeugte Südkorea im Jahr 2010 zu fast einem Drittel mit Atomkraft, bis 2024 soll sie fast 50 Prozent der Stromproduktion ausmachen.

Auch der Essener Energiekonzern RWE hat am Donnerstag der Verkauf seiner tschechischen Gaspipeline-Tochter Net4Gas an ein Konsortium aus dem Allianz-Versicherungskonzern und dem kanadischen Finanzinvestor Borealis Infrastructure verkündet. Ein entsprechender Vertrag sei am Donnerstag unterzeichnet worden, teilte RWE mit. Anders als bei Eon ist der Verkauf finanzieller statt politscher Natur: Für die Gastochter erziele RWE einen Preis von rund rund 1,6 Milliarden Euro. Der Verkauf ist Teil des Desinvestitionsprogramms, mit dem die Essener ihre Schuldenlast verringern wollen. Die Transaktion soll in der zweiten Jahreshälfte vollzogen werden.

RWE habe einen sehr zuverlässigen Langzeitinvestor gefunden, der Net4GAs erfolgreich weiterentwickeln könne, teilte das Unternehmen mit. Die Gastochter hat rund 500 Mitarbeiter und betreibt ein Pipeline-Netz über 3600 Kilometer Länge.

Das sind die größten Energieversorger der Welt

  • Platz 10

    Die Rangliste der größten Energieunternehmen der Welt eröffnet Kansai Electric Power. Der japanische Versorger kam 2011 auf einen Umsatz von 33,3 Milliarden Dollar.

  • Platz 9

    Mit 39,3 Milliarden Dollar Umsatz liegt der südkoreanische Versorger Korea Electric Power (Kepco) auf dem neunten Rang.

  • Platz 8

    Iberdrola landet auf dem achten Platz. Der spanische Versorger erwirtschaftete 2011 Erlöse in Höhe von 41 Milliarden Dollar.

  • Platz 7

    Der britische Versorger SSE (Scottish and Southern Energy) landet auf Rang sieben der Rangliste. Umsatz 2011: 45,4 Milliarden Dollar.

  • Platz 6

    Der erste deutsche Energiekonzern findet sich auf Platz sechs wieder. RWE erwirtschaftete im Jahr 2011 Erlöse von 63,7 Milliarden Dollar.

  • Platz 5

    64,6 Milliarden Dollar erwirtschaftete Tokyo Electric Power im Jahr 2011. Besser bekannt ist das Unternehmen unter der Abkürzung Tepco. Nach der Katastrophe am Atomkraftwerk von Fukushima ist Tepco inzwischen mehrheitlich im Besitz des japanischen Staates.

  • Platz 4

    Électricité de France (EDF) schrammt knapp am Treppchen vorbei. Die Franzosen kommen mit einem Umsatz 2011 von 84,6 Milliarden Dollar auf Platz vier.

  • Platz 3

    Der größte italienische Energiekonzern ist weltweit die Nummer drei. Enel machte 2011 einen Umsatz von 103,2 Milliarden Dollar.

  • Platz 2

    Der französische Versorger GDF Suez findet sich auf Rang zwei der Rangliste. Im Jahr 2011 erwirtschaftete GDF Suez Erlöse in Höhe von 117,5 Milliarden Dollar.

  • Platz 1

    Der deutsche Branchenprimus ist auch weltweit die Nummer eins. Eon kam im Jahr 2011 auf einen Umsatz von 157,3 Milliarden Dollar - das reicht für die Spitzenposition.

RWE leidet unter einem hohen Schuldenstand von derzeit rund 33 Milliarden Euro. Grund sind unter anderem stark gestiegene Lasten für Pensionsrückstellungen wegen des niedrigen Zinsniveaus. „Wir müssen drastisch sparen“, hatte RWE-Chef Peter Terium Anfang März bei der Bilanzvorlage gesagt. „Und wir werden in Zukunft deutlich weniger Mitarbeiter beschäftigen.“

  • 01.04.2013, 19:45 UhrBergmann

    Die Umsatz- und Gewinneinbrüche bei EON und RWE haben mehr damit zu tun, dass bei beiden Unternehmen der Geschäftsbereich Kernkraftwerke weggebrochen ist auf Grund politischer Maßnahmen. Bestands-Schutz und Rechtssicherheit sieht anders aus.

  • 29.03.2013, 09:18 UhrCCCP

    @Commodore

    Ungarn tritt besser heute als morgen aus der EU aus. Ungarn passt heute besser zu Russland.

    Ungarn steht auch nicht wirtschaftlich gut da. Ganz im Gegenteil. Der Forint wertet sicherlich nicht ab, weil die Wirtschaft in Ungarn robust ist. Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast. Hinzu kommen die Transferleistungen, die Ungarn aus Brüssel überwiesen bekommt.

  • 28.03.2013, 23:55 UhrCommodore

    Die Ungarisce Bürger müssen die Preise der ausländischen Energeversorger in Forint begleichen. Der Kurs des Forints rutscht - trotz im Vergleich mit den Eurostaaten guten staatlichen Finanzkennzahlen - unaufhaltsam nach unten. Die Ungarische Regierung hat erkannt, daß ihre Aufgabe in der Rettung seiner Bürger statt in der Rettung ausländischer Konzerne und Banken besteht. Sie fühlen sich den Wähler verpflichtet, nicht den Kapital und schon gar nicht den oft genug unfähigen Manager dieses Kapitals.
    Als Maßnahmen hat die Orban-Regierung z.B. staatliche Hilfen zur Deckelung der im ausländischen Währungen aufgenommenen (Hypotheken-)Kredite seiner Bürger beschlossen um massenhafte Obdachlosigkeit zu vermeiden und auch die Senkung der Energieausgaben der Haushalte. Die Energiepreise, die die ausländische Energiekonzerne auf der Grundlage ihrer heimischen Preisgefüge auch in Ungarn verlangen, können die Ungarn schon längst nicht bezahlen: Preise wie in Deutschland, bei einem Durchschnittsverdienst unter 500,- € Brutto pro Monat.
    "Verstaatlichung" klingt nach Kommunisten, "rechstnational" nach Nazis, in der Wirklichkeit gibt es da jedoch eine Regierung, die ohne Rettungsschirme und dergleichen ihr Land und ihre Bürger über die aktuellen Kriesen zu retten versucht.
    So einige Regierungen der Euroländer könnten von "Denen" eine dicke Scheibe abschneiden!

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