Eon will nicht auf die Atomkraft verzichten
„Klimaschutz verlangt Kernenergie“

Eon-Vorstandschef Wulf Bernotat hält Atomstrom für unverzichtbar, wenn Deutschland seine Kohlendioxid-Emissionen in großem Stil reduzieren will. Mit der Kernenergie könne Deutschland sich Zeit erkaufen, bis andere Quellen zuverlässig erschlossen seien. Ohne Atomstrom würde es in Deutschland in den kommenden Jahren auch einen kräftigen Anstieg der Strompreise geben, betont der Energiemanager im Handelsblatt-Interview.

Handelsblatt: Herr Bernotat, das Bundeskabinett hat die Verschärfung des Kartellrechts beschlossen. Belastet das den Energiegipfel mit Bundeskanzlerin Merkel?

Bernotat: Wenn diese Novelle so kommt, läuft das auf eine staatliche Preisaufsicht im Stromgroßhandel hinaus. Mit freiem Wettbewerb, der ja politisch klar gewollt ist, hat das dann nichts mehr zu tun. Da steht wohl mehr die kurzfristige politische Wirkung beim Verbraucher und Wähler im Vordergrund.

Was ist verkehrt an einer verbraucherfreundlichen Regelung?

Nur darauf zu schauen, was gerade populär ist, bringt uns in der energiepolitischen Diskussion nicht weiter. Das gilt auch für den nächsten Energiegipfel. Bei den beiden bisherigen Treffen war es leider so, dass die gerade populären Themen im Mittelpunkt standen. Davon müssen wir weg. Es geht ja um nicht weniger als ein Gesamtkonzept für eine zukunftsgerichtete Energiepolitik in Deutschland. Wir müssen jetzt Investitionsentscheidungen für die nächsten 40 Jahre treffen. Aber ich bin optimistisch, dass wir einen Schritt vorankommen. Ich habe den Eindruck, dass die Kanzlerin die losen Enden zusammenfügen will.

Welche Themen gehören nach Ihrer Meinung auf die Agenda?

Wettbewerb, Klimaschutz und Versorgungssicherheit! Unsere Branche verändert sich rasant, Europa ist längst unser Horizont; es sind nicht mehr die nationalen Märkte. Am Ende dieses Prozesses werden Grenzen bei Strom und Gas keine Rolle mehr spielen. Zugleich müssen wir jetzt etwas gegen den Klimawandel tun. Auch hier müssen wir internationale Lösungen finden.

Welche Lösungsvorschläge macht Eon?

Eine Antwort auf diese Herausforderungen sind unsere zweistelligen Milliardeninvestitionen in Netze, Kraftwerke und Gasquellen. Wir investieren in leistungsfähige Strom- und Gasnetze, denn für einen echten Energie-Binnenmarkt brauchen wir bessere Transportwege. Wir bauen modernste klimaschonende Kraftwerke, weil jedes Prozent Effizienz im Kraftwerk das Klima unmittelbar schont. Wir investieren aber nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen und langfristig verlässlich sind. Deshalb müssen diese schleunigst geschaffen werden.

Zu diesen Rahmenbedingungen zählt der Ausstieg aus der Kernenergie. Halten Sie die ambitionierten deutschen CO2-Sparziele ohne Kernkraft für realistisch?

Ich sehe nicht, wie wir diese Ziele erreichen wollen, wenn wir auf die Kernenergie verzichten. Die Rolle der Kernenergie in Deutschland muss insbesondere wegen ihres Beitrags zum Klimaschutz neu überdacht werden. CO2-freie Stromerzeugung steht bislang noch nicht im gewünschten Ausmaß zur Verfügung. Mit der Kernenergie können wir uns Zeit erkaufen, bis wir andere Quellen zuverlässig erschlossen haben. Zudem müssen wir daran denken, dass unser Strom ohne Kernenergie in den nächsten Jahren deutlich teurer würde. Die Kernkraftdiskussion zeigt aber in meinen Augen im Übrigen, dass wir in Deutschland auch beim Klimaschutz noch zu wenig international denken.

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