Erben der Schweizer Gruppe sind untergetaucht
Erb verspekulierte sich mit Ost-Immobilien

Die Milliarden-Pleite des Schweizer Mischkonzerns Erb eskaliert zu einem Wirtschaftskrimi: Dabei spielt die schlingernde Kölner Immobilienfirma CBB Holding eine Hauptrolle und deutsche Kreditinstitute bangen um ihr Geld.

jdh GENF. Die Gruppe, die aus vier Konzernbereichen besteht und mit insgesamt 85 Firmen und 4 900 Mitarbeitern 4,5 Mrd. sfr umsetzt, ächzt unter rund 2 Mrd. sfr. Schulden. Zusätzlich hat Vorstandschef Hans Ziegler einen Wertberichtigungsbedarf von 2,5 Mrd. sfr ermittelt. Neben Schweizer Banken versorgten vor allem deutsche Geldinstitute die Erbs mit Krediten: Die Hypo-Vereinsbank, die Commerzbank sowie WestLB und Bayerische Landesbank. Mit Kommentaren hielten sich die Banken zurück.

Der verstorbene Gründer des Imperiums, Hugo Erb, und seine Söhne Rolf und Christian hätten die Unternehmensgruppe „geplündert und letztlich in den Kollaps geritten“, lautet die Bilanz Zieglers, den Rolf und Christian Erb erst im Oktober zur Sanierung insbesondere des Immobiliengeschäftes geholt hatten. Sie sind inzwischen abgetaucht; strafrechtliche Folgen werden für die beiden nicht ausgeschlossen.

Das ursprüngliche Kerngeschäft der Gruppe ist der Autohandel, der in der Herfina AG zusammengeschlossen ist. Herfina ist der zweitgrößte Autoimporteur der Schweiz. Neben dem Autogeschäft ist der Kaffeehandel zweiter wichtiger Umsatzträger. Über ihre Beteiligungstochter Uniinvest werde der Konkurs eröffnet, die übrigen Konzernbereiche gingen in die so genannte Nachlassstundung, teilte die Gruppe am Freitag mit.

In der Konzerntochter Uniinvest sind die Finanzdienstleistungen und die eigentliche Verlustquelle, das Immobiliengeschäft mit der 49,8 %-Beteiligung am Sanierungsfall der Kölner CBB-Holding, untergebracht. „Uniinvest ist unwiderruflich tot“, sagte Ziegler.

Der Anfang vom Untergang der Erb-Gruppe war der Einstieg bei der Kölner Immobilienfirma Concordia Bau und Boden AG (CBB). Die Schweizer erwarben über Uniinvest rund 50 % der Anteile, Rolf Erb nahm im CBB-Aufsichtsrat Platz. Doch der erhoffte Boom in den neuen Ländern blieb aus, die CBB geriet ins Schlingern. Und die Schweizer mussten den Geldhahn aufdrehen. Denn Erb hatte eine so genannte Patronatserklärung abgegeben und damit gegenüber den CBB-Gläubigern quasi unbeschränkte Haftung. übernommen. „Laut Patronatserklärung wurden sämtliche Bilanzpositionen von Erb garantiert“, bestätigt Ziegler. Aus der Kölner CBB-Zentrale war bisher keine Stellungnahme zu erhalten.

Ein großes Problem für Ziegler bei der Sanierung: Bis zuletzt regierte Patriarch Rolf Erb sein Unternehmen mit eiserner Hand, eine Konzernbuchhaltung wurde nie geführt. „Man kann sich fast nicht vorstellen, dass ein Konzern auf diese Art und Weise geführt worden ist“, sagte Verena Gick von der Finanzabteilung der Stadtverwaltung Winterthur zur Nachrichtenagentur Bloomberg.

Symbol des herrschaftlichen Lebensstils ist Schloss Eugensberg, auf dem Rolf Erb residierte. Um das rund 50 Mill. sfr teure Luxusanwesen vor Gläubigern zu retten, wurden schon im März Rolf Erbs Zwillinge als Eigentümer eingetragen: Die Kleinkinder sind ein Jahr alt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%