Erdbeben
Auto-Produktion von Toyota bricht ein

Toyota muss um die Führung bangen: Der größte Autohersteller der Welt hat wegen der Erdbebenfolgen zuletzt 30 Prozent weniger Fahrzeuge gefertigt. Nun rückt auch VW immer näher.
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TokioToyota könnte seinen Titel als weltgrößter Autobauer noch in diesem Jahr verlieren.

Wegen der gewaltigen Produktionsausfälle nach dem Beben und der Atomkatastrophe in Japan gerät der Spitzenplatz erstmals seit 2008 in Gefahr. Analyst Koji Endo von Advanced Research Japan geht davon aus, dass die Konkurrenten General Motors und Volkswagen den Marktführer überholen. Mit Platz zwei käme Volkswagen seinem Ziel, bis 2018 zum Branchenprimus aufzusteigen, einen Schritt näher. GM gelänge nach der Insolvenz und kurz nach dem erfolgreichen Börsengang mit einem Paukenschlag die Rückkehr auf die Pole Position. Allein im März hatte Toyota in Japan knapp zwei Drittel weniger Autos gebaut als im Vorjahresmonat. Weltweit ging die Produktion um knapp 30 Prozent zurück. Jüngsten Angaben zufolge rechnet der Autobauer erst zum Jahresende mit einer Rückkehr der Produktion auf ein normales Niveau.

Laut Endo ist es am wahrscheinlichsten, dass GM in diesem Jahr mehr als acht Millionen Autos herstellt und Volkswagen mehr als sieben Millionen produziert. Toyota werde 2011 wohl auf 6,5 Millionen Fahrzeuge zurückfallen nach 8,42 Millionen Autos im abgelaufenen Jahr. Damit würde Toyota auf den dritten Rang abrutschen. Der Autokonzern äußerte sich nicht direkt zu dem möglichen Verlust der Spitzenposition. Ein Sprecher versuchte, die Auswirkungen herunterzuspielen. Zugleich gab er zu, dass die Verkaufszahlen von März so schlecht waren wie seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1988.

Die japanischen Autohersteller haben noch keine Prognosen abgegeben, inwieweit die Produktionsausfälle und Lieferengpässe ihre Bilanzen belasten. Analysten haben allerdings seit der Naturkatastrophe am 11. März ihre Erwartungen deutlich zurückgeschraubt. Für das im März 2012 endende Geschäftsjahr rechnen sie bei Toyota im Schnitt nur noch mit einem Betriebsgewinn von knapp 2,4 Milliarden Euro. Vor dem Beben lag die Prognose bei rund 6,7 Milliarden Euro. Toyota wird am 11. Mai einen Einblick ins abgelaufene Geschäftsjahr geben. Bisher stellt der Konzern einen operativen Gewinn von rund 4,8 Milliarden Euro in Aussicht. Ob der Konzern einen Ausblick aufs laufende Geschäftsjahr wagt, ist fraglich.

Rivale Honda rechnet nicht mehr damit, noch in diesem Jahr zum Normalbetrieb zurückkehren zu können. Bis Ende Juni werde sich die heimische Fertigung lediglich auf die Hälfte der ursprünglichen Pläne belaufen.

Neben GM und VW profitieren auch asiatische Hersteller von den Problemen der Japaner. Experten gehen davon aus, dass vor allem der südkoreanische Autobauer Hyundai und seine Tochter Kia zulegen werden. „Das sind gute Zeiten für die Südkoreaner“, sagte Fondsmanager Park Jong-min von ING Investment Management. Ihre Marktanteile würden steigen.

Zusammen lagen Hyundai und Kia im vergangenen Jahr bei den Verkaufszahlen weltweit auf Platz fünf. Die Hyundai-Aktien stiegen am Montag um 5,6 Prozent. Die Kia-Papiere legten um 3,2 Prozent zu. Toyota-Anteilsscheine gingen hingegen mit einem Minus von 0,6 Prozent aus dem Handel.

 

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Erdbeben: Auto-Produktion von Toyota bricht ein"

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  • Machen Sie sich mal besser keine "Sorgen" um Toyota:
    Im Hause Toyota interessiert es keinen, ob Toyota nun
    der größte, zweitgrößte oder drittgrößte Hersteller weltweit ist.
    Auch wenn es offensichtlich häufig anders gesehen wird, es ist überhaupt kein anerkennenswertes oder schützenswertes Ziel, weltgrößter Hersteller zu werden.
    Derartige "Weltherrschaftspläne" haben nichts mit vernünftiger Strategie oder guten Produkten zu tun.

  • Nissan hatte im März in Japan gegenüber dem Vorjahresmonat ein Produktionsminus von 52,4 Prozent und bei Honda ist es ein Minus von 62,9 Prozent gewesen. Die Stromversorgung ist neben den Erdbeben- und Tsunamischäden sowie der nuklearen Probleme und Risiken mit das größte Problem der Wirtschaft. Insofern ist realistisch betrachtet auch nicht mit einer raschen Überwindung der Krise, die die japanische Wirtschaft erlebt, zu rechnen. Jetzt zeigt sich mehr und mehr, dass die Folgen der Katastrophe klein geredet worden sind.

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