Erdgas
Gaskonzerne kochen auf Sparflamme

Überkapazitäten, sinkende Preise - die Probleme der Ergasproduzenten sind offensichtlich. Auf der 24. Weltgaskonferenz in Buenos Aires überlegen Gasmanager, Politiker und Experten wie die Branche langfristig auf den Wachstumspfad zurückkehren kann. Auch die Bindung des Gaspreises an den Ölpreis wird infrage gestellt.

BUENOS AIRES. Antonio Brufau spricht aus, was die versammelte Gaselite im Auditorium umtreibt. "Der Ölpreis hat Ende 2008 den größten Verfall der jüngsten Geschichte erlebt, und der Gaspreis ist mit ihm gefallen", stellt der Chef des spanischen Branchenriesen Repsol nüchtern fest, "doch während sich der Ölmarkt Mitte dieses Jahres wieder gefangen hat, sind die Gaspreise noch immer im Keller."

Der Gasmarkt spürt die Wirtschaftskrise deutlich. Aber noch mehr als über den aktuellen Einbruch sind die Teilnehmer an der Weltgaskonferenz in Buenos Aires über die weiteren Aussichten verunsichert: Kann Erdgas wieder auf seinen überdurchschnittlichen Wachstumspfad zurückfinden? Insbesondere in Europa wird das in Zweifel gezogen - und die Existenzberechtigung traditioneller Mechanismen wie langfristige Lieferverträge oder die Ölpreisbindung gleich mit.

3 200 Gasproduzenten, -händler, Politiker und Wissenschaftler aus 81 Ländern sind gekommen. Seit 1931 trifft sich die Branche alle drei Jahre zur Weltgaskonferenz, die vom Branchenverband International Gas Union (Igu) organisiert wird, der wiederum von Unternehmen und Verbänden aus über 70 Ländern getragen wird.

Während die Branche vor drei Jahren in Amsterdam noch uneingeschränkt optimistisch war, ist sie jetzt spürbar verunsichert. In der Tat sind die Manager mit einer ungewohnten Situation konfrontiert: Die Nachfrage, die noch in der ersten Jahreshälfte 2008 kräftig zugelegt hatte, brach, wie die Internationale Energieagentur feststellt, zum Jahresende "dramatisch" ein und hat sich seitdem nicht erholt. Die globale Rezession treffe das Gas hart, heißt es. Zwar bleibt der Verbrauch bei den Haushaltskunden einigermaßen konstant, die Industrie nimmt aber deutlich weniger ab, und eine große Zahl von Gaskraftwerken läuft nur mit halber Kraft.

Die Igu-Experten, die gestern eine Prognose bis 2030 vorstellten, sind zwar überzeugt, dass der Gasmarkt langfristig wieder deutlich wachsen wird. Der Energiehunger der aufstrebenden Wirtschaftsnationen - insbesondere China und Indien - ist schließlich gewaltig.

Beim Großabnehmer Europa sind die Aussichten aber gedämpft. Durch die Maßnahmen zum Klimaschutz und der zunehmenden Nutzung erneuerbarer Energien steht der fossile Energieträger Gas unter Druck. In diesem Jahr rechnet die Branche in der EU mit einem Absatzminus von sieben Prozent - und für das kommende Jahr allenfalls mit einem leichten Plus. Nachfragedämpfend wirkt auch ein Imageproblem: Die hohen Preise der vergangenen Jahre zum einen und die Sorgen über die Versorgungssicherheit - ausgelöst durch ständige russisch-ukrainische Reibereien - zum anderen treiben Häuslebauer reihenweise in die Arme der Anbieter von Erdwärmepumpen.

Seite 1:

Gaskonzerne kochen auf Sparflamme

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%