Erdgaslieferungen
Gazprom will mehr Geld von Europäern

Erdgaskunden im europäischen Ausland sollen nach den Vorstellungen des russischen Branchenriesen Gazprom tiefer in die Tasche greifen, damit die guten Stuben im Inland weiter zu subventionierten Preisen beheizt werden können: Der Staatskonzern will seine Exportpreise 2007 kräftig anheben.

HB MOSKAU. Wie die russische Wirtschaftszeitung „Vedomosti“ am Montag unter Berufung auf Gazprom-Unterlagen berichtet, plant der Konzern für Europa eine Preiserhöhung von rund 15 Prozent für das kommende Jahr. Der Bezugspreis solle von derzeit etwa 250 Dollar (190 Euro) je 1 000 Kubikmeter auf 293 Dollar erhöht werden. Der Gazprom-Budgetplan solle in den kommenden Tagen von der Konzernführung verabschiedet werden, hieß es unter Moskauer Analysten.

Dem Bericht zufolge kalkuliert Gazprom für 2007 mit einem deutlichen Umsatzanstieg aus dem Exportgeschäft. 2007 würden die Ausfuhr-Einnahmen um 25 Prozent auf 46 Milliarden Dollar klettern. Der weltgrößte Gasförderer gehe davon aus, 2007 mehr Gas zu höheren Preisen nach Europa zu verkaufen.

Trotz der Rekordpreise will Gazprom der Zeitung zufolge im kommenden Jahr 3,4 Milliarden Dollar an neuen Krediten aufnehmen. Dies hänge damit zusammen, dass das Unternehmen Erdgas im Inland zu weniger als einem Fünftel des Exportpreises verkaufen muss. Dies beschere dem Unternehmen im Inlandsgeschäft heftige Verluste. Gazprom lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab.

Gazprom liefert ein Viertel des europäischen Gasbedarfs und ist wichtiger Lieferant für Deutschland. In Deutschland wird fast jede zweite Wohnung (47,7 Prozent) mit Erdgas beheizt, wie aus Daten des Bundesverbands der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft für das Jahr 2005 hervorgeht. Russland ist der bedeutendste Gaslieferant mit einem Anteil von 34 Prozent.

Russische Experten zeigten sich von den Gaspreis-Erhöhungen vor dem Hintergrund der Prognosen für den Ölpreis überrascht. Die Pläne machten einen „aggressiven“ Eindruck, urteilte die Investmentbank Deutsche UFG in Moskau. In der Vorwoche hatte Präsident Wladimir Putin eine Angleichung der subventionierten russischen Inlandspreise an das Weltmarktniveau vor der Präsidentenwahl 2008 abgelehnt. Nach „Wedomosti“-Informationen soll der russische Gaspreis im kommenden Jahr um 15 Prozent (auf Rubel-Basis) auf umgerechnet 49 Dollar je 1 000 Kubikmeter erhöht werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%