Erdgastransportgeschäft
Niederländer kaufen deutsches Gasnetz

Die niederländische Gasunie übernimmt einen strategisch wichtigen Teil des deutsches Gasnetzes: Der Konzern kauft von Shell und Exxon -Mobil das Erdgastransportgeschäft von deren gemeinsamer Tochter BEB. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. In Branchenkreisen wurde der Wert der Aktivitäten im Vorfeld aber auf über eine Mrd. Euro taxiert.

DÜSSELDORF. BEB ist neben Eon Ruhrgas, RWE, Wingas und Verbundnetz Gas einer der großen Ferngasnetzbetreiber in Deutschland. Mit einem Pipelinesystem von 3  00 Kilometern in Norddeutschland verfügt das Unternehmen über eine wichtige Drehscheibe für den Transit von russischem und norwegischem Gas. Pro Jahr transportiert es über seine Überlandleitungen rund 30 Mrd. Kubikmeter.

Die BEB, die auf eine jahrzehntelange Tradition zurück blicken kann, wird nun endgültig zerschlagen. Gasunie übernimmt das Netz, die drei Gasspeicher verbleiben dagegen im Joint-Venture von Shell und Exxon -Mobil. Bereits vor einigen Jahren waren die Aktivitäten in der Produktion deutschen Erdöls und Erdgases – den größten in Deutschland – abgetrennt und in eine Tochter von Exxon -Mobil überführt worden.

Die Transaktion hat hohe Symbolwirkung für die Liberalisierung des deutschen Energiemarktes. Erstmals seit die Strom- und Gasnetze reguliert werden, wechselt ein Betreiber den Besitzer. Shell und Exxon -Mobil erklären zwar offiziell, sie wollten sich durch den Verkauf auf ihr Kerngeschäft, Produktion und Vertrieb, konzentrieren. In Unternehmenskreisen war aber auch die scharfe Regulierung als Grund angeführt worden.

Die Gasnetzbetreiber müssen sich in Deutschland auf deutlich sinkende Margen einstellen. Die Unternehmen unterliegen inzwischen der Aufsicht der Bundesnetzagentur, die Gashändlern einen einfachen und günstigen Zugang zu den Leitungen ermöglichen will. Vor allem hat die Regulierungsbehörde die Kosten, welche die Netzbetreiber den Transporteuren in Rechnung stellen dürfen, deutlich gekürzt. BEB war sogar juristisch gegen die Kostenkontrolle durch die Bundesnetzagentur vorgegangen.

Gasunie rechnet sich im Gegensatz zu den bisherigen Eigentümern offenbar dennoch ein ertragreiches Geschäft aus. "Wir sehen große Synergien und die Unternehmen passen gut zusammen“, sagte CEO Marcel Kramer. Das Unternehmen ist auf den Gastransport spezialisiert, betreibt bereits 12 000 Kilometer Leitungen und wird das Transportvolumen auf 130 Mrd. Kubikmeter erhöhen. Der Zukauf macht vor allem Sinn, weil sich Gasunie vor kurzem an der geplanten Ostseepipeline beteiligt hat. Künftig kann der Konzern russisches Gas über eigene Leitungen bis nach Großbritannien liefern.

Shell und Exxon -Mobil hatten das BEB-Netz mit Hilfe der Investmentbank Credit Suisse zum Verkauf gestellt. Als Interessenten wurden unter anderem der Regionalversorger EWE, die britische Centrica oder Gaz de France gehandelt.

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