Erfahrungsbericht
Katzen würden Mäuse kaufen

Samtpfoten sind überaus wählerisch: Was gestern noch begeistert gefressen wurde, wird heute mit Nichtachtung gestraft. Wie Herrchen und Frauchen mit einem einfachen Trick wieder die Oberhand bekommen.
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DüsseldorfWenn des Deutschen liebstes Haustier (jawohl, die Katze hat den Hund von Platz 1 verdrängt), sich sein Futter selbst aussuchen dürfte, würde sich die Mehrheit der 8,2 Millionen Haus-Samtpfoten wohl für lebende Mäuse entscheiden. Schließlich hat man als Katze dann was Leckeres, eine aufregende Überraschung und was zum Spielen. Körperwarm, blutig mit einem Hauch Getreide sowie Spuren von Obst und Gemüse. Auch das Gefühl auf der rauen Zunge ist in einer nicht zu toppenden Kombination sichergestellt: knusprig, cremig, knackig.

Verzichten können Katzen dagegen auf Petersiliengarnitur, Spezial- und limitierte Futter-Editionen zu kirchlichen Feiertagen oder wechselnden Jahreszeiten. Wahrscheinlich werden die Marketingexperten der Tiernahrungshersteller aber dennoch schon bald eine Halloween-Ausgabe, - mit Kürbis, nur für kurze Zeit! - dafür aber nochmal etwas teurer, offerieren. Denn eins ist klar, Herrchen und Frauchen geben gerne mehr aus, wenn ihnen selbst beim Anblick der Verpackung schon fast das Wasser im Munde zusammenläuft.

Was heißt das? Der Trend im Kaufverhalten orientiert sich immer weniger an den echten tierischen Bedürfnissen, er trägt vielmehr den eigenen, menschlichen Bedürfnissen Rechnung. Bei ohnehin konstant steigenden Umsätzen in der Tierfutter-Branche hat im Jahr 2011 laut IHV erstmals das Segment „Snacks und Katzenmilch“ den Vogel abgeschossen (Katzen lieben dieses Sprachbild): um plus 5,9 Prozent auf 197 Millionen Euro.

Mit artgerechter Fütterung hat das wenig zu tun. Katzen brauchen weder Milch noch Snacks. Die braucht nur der Mensch, so suggeriert uns das clevere Marketing der Hersteller, um das gute Gefühl zu haben, die Mieze zu verwöhnen.

Erfahrene Katzenhalter hegen aber den Verdacht, dass die Samtpfoten selbst in nicht unerheblichem Maße zum Wachstum der Branche beitragen. Sind sie doch überaus wählerisch. Was letzte Woche noch begeistert gefressen wurde, wird in diese Woche mit Nichtachtung gestraft. Bei der Fütterung gilt das Prinzip von Versuch und Irrtum.

Wobei der Irrtum (Feines Soufflee von Seehecht mit Käseklößchen und Krabben, 70 Gramm 1,09 Euro) den Halter dann etwas teurer kommt. Er kauft ja im Zweifelsfall beides, also das, was letzte Woche noch gut in die Katze ging, und zusätzlich die neue verbesserte Rezeptur.

Dabei geht es auch anders, aber das würden uns die Tierfutter-Hersteller natürlich niemals verraten: Ist Ihre Katze besonders wählerisch, so lassen Sie sie einfach mal einen Tag hungern. Sie werden sehen, dass steigert die Zuneigung und den Appetit auf einfaches Futter.

Oder genau umgekehrt. Wie bei Katzen üblich.

Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt Online / Redakteur

Kommentare zu " Erfahrungsbericht: Katzen würden Mäuse kaufen"

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  • Katzen Hungern Lassen führt zu Schäden am Verdauungstrakt!!! und zwar bereits nach 18Stunden! Das hat Etwas mit der Muskulatur des Darms zu Tun. Eine Katze weiß ganz genau, wenn sie Etwas nicht Möchte - und Warum! Das ist, als wenn man uns Menschen etwas Angegammeltes Vorsetzen würde, einen Apfel, der schon zu 2/3 braun ist oder so und zu Verlangen, ihn auszuschneiden!
    Wenn meine Katzen Etwas nicht mochte, habe ich sie nie gezwungen - und ich bin der festen Überzeugung, das das auch nicht gut wäre. Das Letzte, was Katzen mögen, ist Zwang - Wir Menschen, sind eher Ihre Untertanen, ihre Dosenöffner und Bespieler - aber ich mache es gern, wenn ich dafür beschnurrt und beschmust werde! - aber sie sind auch von uns abhängig, wenn sie keine Freigänger sind und es liegt in unserer Verantwortung, das richtige Futter bereitzustellen! Aber die Meisten Menschen, sind ja nicht mal mehr in der Lage, ihr eigenes Futter richtig auzusuchen, werden FETT, TRÄGE, FAUL, bekommen Arthrose vom Übergewicht und Arteriosklerose vom falschen Essen. Schade für die Tiere, wenn die Besitzer nicht in der Lage sind, die Inhaltstoffe wenigstens mal anzusehen - aber die Meisten Wissen ja nicht einmal, Wofür überhaupt welche Bezeichnungen Stehen oder was die verschiedenen Stoffe bewirken! Erst Lesen, dann Denken, dann Nachdenken, dann Fragen, dann noch mal Nachdenken - erst dann Kaufen. Naja, es gibt auch viele Pfosten, die Denken, dass im Futter Zucker NICHT schädlich ist - Was will man mit solchen Unverantwortungslosen Idioten machen, die dann auch noch mit Inbrunst behaupten, dass "dem Tier das (billige) Futter ja schmeckt und es NICHTS anderes mehr will!"?

  • Schöner Artikel – nur leider ohne nützliche Tipps. Das Überangebot an Futter und der Mangel an Bewegung führen leider häufig bei Katzen zu Problemen mit Übergewicht – da hilft auch nicht der Tipp, die Katze einen Tag hungern zu lassen. Snacks für die Katze sind ebenso für die Katz. Wichtiger wäre es, Katzenhaltern Infos zu ausgewogener Ernährung nahezubringen. Und zum Beispiel Jungtiere früh genug an abwechslungsreiches Futter zu gewöhnen, damit sie erst gar nicht anfangen zu mäkeln. Dazu gibts hier einen Tipp: http://www.citypets.de/katzen-pflege/katzen-ernaehrung/392-katzenernaehrung-abwechslung.html
    Auch die Fütterungsempfehlungen der Hersteller sollte man durchaus kritisch betrachten – wer erst einmal mit einer übergewichtigen Katze beim Tierarzt war, bekommt da recht hilfreiche Hinweise, nicht nur die Kaufempfehlung für Diätfutter.

  • Inzwischen ist bei den meisten Katzenfuttersorten nur noch 4% Fleisch und Fleischersatzstoffe drin. Und das soll dann ein Nahrungsmittel für einen fast reinen Fleischfresser sein? Kann ja wirklich nicht sein. Es ist übrigens auch nicht teurer seine Tiere mit echtem Fleisch zu füttern, als mit Dosenfutter. Sie fressen insgesamt weniger und können das Wenige besser verwerten; sprich... sie benutzen auch weniger das Katzenklo. Ach ja - der Geruch ist auch 'angenehmer' als bei Fertigfutter-Fressern. Wenn eine Katze noch zusätzlich Freigänger ist und ab und zu Mäuse fangen kann, dann kann man sich auch die Zusatzstoffe fürs Futter sparen. Die holen sie sich dann von echten Mäusen. BTW.... es gibt auch tiefgefrorene Mäuse, Mäusebabies und Küken für Katzen. Aber meine spielen damit bloss rum. Wenn es Beine hat und nicht läuft is es langweilig! *g* Mahlzeit...

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