Erfolg mit SUVs: Die versteckten BMW-Riesen

Erfolg mit SUVs
Die versteckten BMW-Riesen

Mit seinen Elektromodellen gilt BMW als Vorreiter bei den alternativen Antrieben. Geld verdient der Konzern aber vor allem mit dicken Geländewagen. Ein neuer Spritfresser soll bereits in Planung sein.
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MünchenDie Präsentation der neuen Bilanzergebnisse von BMW-Chef Norbert Reithofer beginnt mit einem funkelnden Blick: die leuchtend weißen Laserlichter des Hybrid-Sportwagens i8 leiten einen optimistischen Jahresbericht ein. Der Rekordgewinn von 9,7 Milliarden Euro soll noch einmal übertroffen werden, verspricht Reithofer. Zwei Millionen Fahrzeuge will er im laufenden Jahr verkaufen, 16 neue Modelle bringt der Autobauer dafür auf den Markt.

Unter anderem den i8, einen leichter Supersportler mit Hybridantrieb und theoretisch unfassbarer Effizienz. Glaubt man Reithofer, ist er ein Blick in die Zukunft von BMW. „Er zeigt die Stärke unseres Unternehmens“. Bei der Bilanzpressekonferenz spielt er darum die Hauptrolle, in der Zulassungsstatistik aber wahrscheinlich nur eine Nebenrolle.

Denn die Gegenwart von BMW ist noch nicht elektrisch: Die Rekordgewinne fahren derzeit noch nicht die futuristischen BMW-i-Modelle ein, sondern die X-Reihe. Sie machen mittlerweile rund ein Viertel des Gesamtabsatzes von BMW aus – und versprechen wegen ihrer hochwertigen Ausstattung eine bessere Rendite als viele andere Modelle.

Vom kompakten BMW X1, der sich mit 161.300 Exemplaren rund 9,2 Prozent besser verkauft als im Vorjahr über den X3, der mit 157.300 verkauften Fahrzeugen (plus fünf Prozent) nur knapp darüber liegt, bis zu Geländewagen, die von Energieeffizienz wie Reithofer sie propagiert oft noch weit entfernt sind.

Das derzeitige Spitzenmodell der X-Reihe, der BMW X6, hat es in sich: Um die 2,1 Tonnen des Monstermobils auf Touren zu  bringen, schlummert unter der Motorhaube in der Top-Version ein V8-Turbo-Benzinmotor für den der Hersteller mit PS-Poesie wirbt: „Schon ein kurzer Tritt auf das Gaspedal genügt, um die Kraft dieses Motors zu entfesseln“ – und nebenbei ordentlich CO2 in die Luft zu blasen. 292 Gramm pro Kilometer, Energieeffizienzklasse G. So lautet die desaströse Bilanz.

Natürlich: auch für den X6 bietet BMW-Motoren mit weniger Leistung an. Doch selbst der effizienteste Sechszylinder-Dieselmotor für das Modell kommt immer noch auf einen CO2-Ausstoss von 198 Gramm pro Kilometer – und liegt damit deutlich über dem bald gesetzlich vorgeschriebenen Durchschnittswert in der EU. Bis 2021 müssen es 95 Gramm sein.

Und aktuell plant BMW neben dem neuen Geländecoupé X4 sogar noch einen großen Bruder für den Geländeriesen. Der X7 könnte – wie alle Geländewagen des Konzerns außer dem X1 – ebenfalls in den USA gebaut werden. Wie das Handelsblatt berichtet hatte soll dafür auch die Kapazität des Werks in Spartanburg noch einmal erweitert werden. In South Carolina sollen dann 400.000 Geländewagen der X-Serien vom Band laufen zu lassen, 100.000 mehr als heute. Den in den USA sind die Riesen gefragt.

Doch in der Klimabilanz hinterlassen die schweren Kisten und ihre starken Motoren ihre Spuren: mit einem Flottenverbrauch von 133 Gramm liegt BMW immer noch um mehr als ein Drittel über dem geforderten EU-Zielwert von 95 Gramm. Um weiter mit Gewinne mit den Riesen zu machen, braucht BMW daher dringend Modelle, die den Gesamtausstoß der Flotte nach unten drücken. Im Jahr 2020 soll die Flotte um 25 Prozent effizienter sein als im Jahr 2008 – macht rund 2 Prozentpunkte Effizienzgewinn pro Jahr.

Den Kern bilden die i-Modelle, die derzeit in der Absatzstatistik noch eine marginale Rolle spielen. 311 Exemplare vom neuen i3 hat BMW im Jahr 2013 verkauft – allerdings ging das Modell auch erst im November an den Start. Dieses Jahr dürften es daher deutlich mehr werden. Offiziell spricht BMW von 11.000 Vorbestellungen. Die Produktion sei auf sechs Monate ausgebucht – und der Marktstart im wichtigsten Markt USA stehe noch bevor.

Doch die Absatzzahlen der Geländewagen dürften die Elektroflitzer wohl in den nächsten Jahren nicht annährend einholen. Durch die hohen Investitionen bleiben sie daher zunächst ein Zuschussgeschäft. In der Gesamtrechnung wirken sie sich trotzdem außerordentlich positiv aus. In Europa werden die Elektromobile bei der Gesamtrechnung für den Flottenverbrauch mehrfach angerechnet.

Kommentare zu " Erfolg mit SUVs: Die versteckten BMW-Riesen"

Alle Kommentare
  • Spritfresser? Warum sind deutsche Entwickler/Experten nicht gewillt die Forderung nach einem Minimalverbrauch zu erfüllen? Wieso bedeutet SUV immer Vernichtung der Umwelt, obwohl gerade die SUVs die Wünsche für ältere Menschen erfüllen? Alte Leute können/wollen nicht auf der Straße sitzen ( Sportwagen)!! Setzen Sie einmal (neutrale Bewertung, in einem Sportwagen und dann in einem SUV? Wer ist besser für einen Älteren/Behinderten geeignet??

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