Erfolgreiche Biermischgetränke
Brauer setzen Hoffnung auf Kaffee-Mischung

Mit Biermischgetränken versucht die angeschlagene Braubranche ihre Absatzzahlen zu verbessern. Manchmal mehr - oft minder erfolgreich: Denn insgesamt gehen die Verkaufszahlen zurück. Das von den Brauern erhoffte "zweite Sommermärchen" ist ausgeblieben.

DÜSSELDORF. Not macht erfinderisch. Den seit Jahren stetig sinkenden Absatzzahlen bei Pilsbieren begegnen findige deutsche Brauermit einem bunten Angebot an Biermischgetränken. Die vor allem beim jungen Publikum beliebten Kreationen können manchmal gar nicht schräg genug sein. Den Vogel schießt jetzt die Brauerei Veltins mit ihrer Marke „V plus“ ab: Die Sauerländer bieten ihren Biermix ab sofort auch in der Geschmacksrichtung „Cappuccino“ an.

Der Rest der Branche bläst derweil fast allerorten Trübsal. Die längsten Gesichter nach dem Abpfiff der Fußball-Europameisterschaft zogen wohl die Spitzenmanager der deutschen Brauindustrie. Obwohl die deutsche Nationalmannschaft es schließlich doch noch bis ins Finale schaffte, steht nach dem Abschluss der Halbjahresbilanz in den meisten Brauhäusern bereits fest: Das Sportereignis konnte den Bierdurst in Deutschland nicht im Entferntesten so ankurbeln wie die Fußball-WM vor zwei Jahren. „Die EM hat kein neues Kapitel des deutschen Sommermärchens aufgeschlagen“, sagt Michael Huber, Generalbevollmächtigter der Brauerei Veltins.

Und so setzte sich der schon Jahrzehnte dauernde Abwärtstrend beim Bierkonsum in Deutschland auch in den ersten sechs Monaten des Jahres 2008 fort. Insgesamt dürfte sich an dem bis Ende Mai aufgelaufenen Absatzminus von über zwei Prozent im deutschen Biermarkt auch zum Halbjahresabschluss nichts mehr geändert haben, ist Huber überzeugt. Während Veltins das eigene Minus beim Pils aber durch ein starkes Engagement im Segment der Biermischgetränke (plus 16,5 Prozent) ausgleichen konnte, sieht es bei zahlreichen Mitbewerbern nicht annähernd so positiv aus.

Die Konkurrenz von der Krombacher Brauerei, dem Marktführer unter den deutschen Biermarken, verzeichnete bei den Biermischungen der Marke „Cab“ zum Halbjahr ein Minus von elf Prozent. Unter dem Strich blieb den Siegerländern aber wegen des starken Produktionszuwachses bei „Radler“ und „Weizen“ nur ein Minus, das knappüber dem Branchendurchschnitt liegt. Große Hoffnungen setzt Krombacher-Chef Bernhard Schadeberg jetzt auf das neue Produkt „Cab Blood Orange & Beer“, dass bereits „gut angelaufen“ sein soll.

Während die Warsteiner Brauerei mit ihrer Hauptmarke im ersten Halbjahr mehr als sechs Prozent verlor, zeigte die Deutschland-Tochter des Weltmarktführers Inbev den heimischen Privatbrauereien, was eine Harke ist: Gegen den Markttrend legte die Premiummarke „Beck’s“ um fast fünf Prozent zu. Deutschland-Chef Eric Lauwers führt seine Mitarbeiter an der kurzen Leine. Mit zweischneidigem Ergebnis: Denn zum einen konnten auch seine Mischgetränke („Beck’s Green Lemon“) ihre Spitzenposition im deutschen Markt behaupten, doch andererseits läuft ihm ob des strengen Regimes eine Spitzenkraft nach der nächsten davon. Auch Lauwers selbst ist schon der vierte Deutschland-Chef des belgisch-brasilianischen Brauriesen innerhalb von fünf Jahren.

Unter dem Strich haben sich im ersten Halbjahr diejenigen Brauereien im deutschen Biermarkt behauptet, die sich rechtzeitig bei den Biermischgetränken engagiert haben – auch wenn sie dem negativen Branchentrend nur im Einzelfall entkommen konnten. Bei der Brauerei Veltins macht die Mix-Marke „V plus“inzwischen knapp ein Fünftel des jährlichen Produktionsvolumens von 2,6 Mill. Hektoliter am Standort Grevenstein aus.

Dies hat offenbar die Experimentierfreude der Sauerländer angestachelt: Die neue Geschmacksrichtung „Cappuccino“ soll es jedoch nur als Saisonprodukt in diesem Herbst geben. „Bei dem Kaffeeboom ist es ein Wunder, dass noch niemand früher auf die Idee gekommen ist“, bewertet Branchenexperte Herbert Latz-Weber, Herausgeber des „Getränke-Newsletters Online“, das Vorhaben.

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