Erhebliche Risiken
Opel-Konzept auf Kante genäht

Die Beratungsgesellschaft PwC hält das Sanierungskonzept des designierten Opel-Eigners Magna für „nicht besonders robust“. Vom Urteil der Berater, die im Auftrag der Bundesregierung arbeiten, hängt ab, ob Staatshilfen an Opel fließen können.

BERLIN/BRÜSSEL. Die Beratungsgesellschaft PwC hat im Konzept des designierten Opel-Eigners Magna erhebliche Risiken ausgemacht. In Verhandlungskreisen hieß es am Dienstag, die Berater kämen zu dem Ergebnis, dass die Absatzplanung eine große Herausforderungen darstelle und ein „außerordentliches Risiko für Planverfehlungen“ berge. Aus Sicht der Gesellschaft, die im Auftrag der Bundesregierung arbeitet, ist das Sanierungskonzept somit „nicht besonders robust“, es umfasse zu wenig Spielraum für Abweichungen nach unten.

Grundsätzlich hält PwC den Plan aber für tragfähig. Ein positives Fortführungsgutachten der Berater ist Voraussetzung dafür, dass Staatshilfen an Opel fließen können.

Magna rechnet laut internen Unterlagen in diesem Jahr mit einem Einbruch des Opel-Absatzes auf nur noch 1,16 Mio. Fahrzeuge, nach 1,55 Mio. 2008. Ab 2010 soll der Absatz dann kontinuierlich steigen und 2012 wieder das Niveau von 2008 erreichen. 2014 will Magna schließlich die 1,6-Millionen-Marke erreichen. Trotz der erheblichen Bedenken bescheinigen die Berater von PwC Opel unter dem Strich „grundsätzliche Sanierungsfähigkeit“.

Die Chancen, dass die geplanten Staatshilfen für den Autobauer durchgewinkt werden, steigen damit. Die EU-Kommission will die Rettung Opels zudem nicht mit langwierigen Genehmigungsprozeduren behindern. Die Entscheidung über die geplanten Staatskredite für General Motors Europe werde in zwei bis vier Wochen fallen, hieß es gestern in Brüssel.

Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes stuft den Fall mittlerweile als eine Rettungsbeihilfe im Zusammenhang mit der Finanzkrise ein. Damit wird es möglich, den Fall schnell und unbürokratisch abzuschließen. Die Bundesregierung muss die Opel-Beihilfe noch nicht einmal offiziell in Brüssel anmelden. „Wir prüfen nur informell“, hieß es in der Umgebung der EU-Kommissarin.

Magna hatte sich unter den Opel-Bietern durchgesetzt und der Bundesregierung kürzlich ein Sanierungskonzept vorgelegt. Die Bundesregierung hatte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC damit beauftragt, das Konzept zu bewerten. Die Bewertung des Sanierungsplans ist für die Gewährung staatlicher Hilfen von Bedeutung. Insgesamt will die öffentliche Hand Magna mit Krediten über 4,5 Mrd. Euro unterstützen.

Die EU-Kommission und Länder wie Großbritannien, Belgien und Spanien haben Bedenken, dass die Kredite an den Erhalt deutscher Arbeitsplätze geknüpft sein könnten – zulasten anderer Standorte. Magna stellt als neuer Opel-Eigner das Werk im belgischen Antwerpen zur Disposition und will europaweit knapp 11 000 Stellen bei Opel abbauen, davon rund 6 000 außerhalb Deutschlands.

Der bisherige Opel-Mutterkonzern General Motors und der österreichisch-kanadische Zulieferer Magna wollen den Opel-Kaufvertrag laut Unternehmenskreisen Anfang nächster Woche unterschreiben. Voraussetzung für die Vertragsunterzeichnung ist ein Abschluss der Verhandlungen mit den Arbeitnehmern über deren finanzielle Zugeständnisse im Zuge der Übernahme. An den Arbeitnehmern werde der Deal nicht scheitern, hatte Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz jüngst klargestellt. Umstritten war bis zuletzt, welche Mitbestimmungsrechte die Arbeitnehmer für ihren Anteil von zehn Prozent an „New Opel“ erhalten. Endgültig über die Bühne ist der Opel-Verkauf aber erst mit dem Abschluss der Transaktion, der für Ende November erwartet wird.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel
Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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