Erholung in Sicht
Stahlbranche schwächelt auf hohem Niveau

Die Stahlbranche erholt sich langsamer als erwartet. Hatten Hersteller und Marktforscher noch vor wenigen Monaten ein Anziehen der Nachfrage bis Mitte des Jahres in Aussicht gestellt, lässt die Entspannung nun doch auf sich warten.

dpa-afx FRANKFURT. "Ein unmittelbares Ende des schwachen Marktumfelds für Stahlhersteller ist nicht in Sicht", sagt Analyst Nils Lesser von Merck Finck & Co. Das Marktforschungsinstitut Meps erwartet erst im Frühjahr kommenden Jahres eine Aufhellung der Lage.

Grund für die "Delle" (Thyssen-Chef Ekkehard Schulz) sind vor allem überhöhte Lagerbestände bei Kunden. Die hohe Nachfrage aus China hatte bei Händlern und Kunden der europäischen Stahlkocher aus Angst vor einer Knappheit von Stahlprodukten zu "Hamsterkäufen" geführt. In der Folge ließen die hohen Lagerbestände die Nachfrage nach Stahlprodukten sinken. Gleichzeitig fuhr China die eigene Produktion nach oben und musste daher weniger importieren, was zu einem Überangebot von Stahl führte. Zudem haben die Konzerne weiter mit unverändert hohen oder sogar steigenden Rohstoffkosten zu kämpfen. Kurz: Der Stahlboom flachte ab - wenn auch auf hohem Niveau.

Zwar fuhren die europäischen Stahlkocher im ersten Halbjahr weiterhin durch die Bank Rekordergebnisse ein. Arcelor-Chef Guy Dolle sprach von den "besten Zahlen, die Arcelor jemals erreicht hat". Deutschlands Branchenprimus Thyssen-Krupp hob am Freitag die Gewinnprognose für das Gesamtjahr an. Und Salzgitter-Chef Wolfgang Leese nannte das Ergebnis im ersten Halbjahr "exorbitant". Er rechnet auch für das Gesamtjahr mit einem "sehr guten" Resultat. Leese betonte allerdings: "Dieses Ergebnis kann nicht Benchmark der Ergebnisse der Folgezeit sein."

Die Nachfrageschwäche hinterlässt bereits ihre Spuren: Um die Preise stabil zu halten, mussten die Hersteller im abgelaufenen Quartal und auch im laufenden Jahresviertel ihre Produktion drosseln - und rechnen zum Teil darüber hinaus mit weiteren Kürzungen. "Für das vierte Quartal ist noch nichts beschlossen, weitere Kürzungen auf dem Niveau des dritten Quartals liegen aber im Rahmen des Möglichen", sagt ein Sprecher von Deutschlands zweitgrößtem Stahlhersteller Salzgitter. Zudem sind trotz unverändert hoher Rohstoffkosten keine weiteren Erhöhungen der Stahlpreise in Sicht.

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