Erkundung von Ölfeldern
Libyen erteilt BP Millionen-Auftrag

In den 70ern jagte Muammar al-Gaddafi die ausländischen Ölkonzerne aus dem Land, jetzt holt er sie zusammen mit Tony Blair wieder zurück. Nach Shell darf nun auch BP an die reichen Ölreserven heran. Libyen braucht bei der Förderung dringend Hilfe.

HB TRIPOLIS/DÜSSELDORF. Der Ölkonzern BP wird nach dreißig Jahren Pause wieder Geschäfte in Libyen machen. Die nationale Ölgesellschaft Schokri Ghanem teilte mit, BP werde einen Auftrag im Wert von 900 Millionen Dollar zur Erkundung von Öllagerstätten erhalten. BP wollte sich zu Einzelheiten nicht äußern.

Die Ankündigung erfolgte kurz vor dem Beginn einer Afrikareise des britischen Premierministers Tony Blair. Blair war 2004 das erste englische Regierungsoberhaupt seit 60 Jahren, das Libyen besuchte. Offenbar sieht er sich als Türöffner für die Ölbranche – 2004 meldete Shell kurz nach seiner Reise einen Auftrag.

Libyen zählt zu einem der zehn erdölreichsten Länder der Erde und verfügt über mehr Reserven als Nigeria. Bei der Förderung aber liegt Libyen 50 Prozent unter der Leistung von Nigeria. Dabei entwickelte sich Libyen nach der Entdeckung von Ölvorkommen 1959 zu einem der größten Ölexporteure der Welt. Der Boom wurde jedoch durch den Militärputsch von Muammar al-Gaddafi am 1. September 1969 gestoppt.

Für die 21 in Libyen aktiven ausländischen Ölkonzerne war die Machtübernahme von Gaddafi ein Schock. 30 Prozent des Ölbedarfs ganz Europas hatte Libyen gedeckt. Gaddafi forderte drastische Preiserhöhungen und mehr Gewinnbeteiligung für seinen Staat. Als die Ölkonzerne sich weigerten, ließ das Militär die Führungskräfte morgendlich anhalten und durchsuchen. Gaddafi drohte mit dem totalen Aus für die Produktion und sagte: „Ein Volk, das 5000 Jahre lang ohne Öl gelebt hat, kann ein paar Jahre wieder ohne Öl leben, um sich seine legitimen Rechte zurück zu holen.“

Kurze Zeit später setzte Gaddafi eine 20prozentige Erhöhung der Gewinnbeteiligung und Steuern durch. Mitte der 70er wurde dann die Ölindustrie verstaatlicht. Die tägliche Ölförderung fiel zwischen 1970 und 1975 um rund 60 Prozent auf 1,5 Mill. Barrel pro Tag. Heute liegt dieser Wert auf etwa gleichem Niveau.

Die libysche Regierung will die Förderung bis zum Jahr 2015 auf drei Mill. Barrel pro Tag erhöhen und braucht dazu ausländisches Fachwissen und Investitionen. Experten halten es für möglich, dass in dem Land weitere Reserven gefunden werden können. Außerdem verfügt Libyen über reiche Erdgasvorkommen.

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