Ermittlungen
Faurecia-Chef Lévi gerät in der Schmiergeldaffäre unter Verdacht

Die jüngste Korruptionsaffäre, in deren Mittelpunkt der französische Automobilzulieferer Faurecia steht, weitet sich aus. Laut Medienberichten ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen den Chef des Konzerns, Pierre Lévi. Er soll davon gewusst haben, dass sein Unternehmen Bestechungsgelder zahlt, um an Aufträge zu gelangen.

hof FRANKFURT. Der Münchner Oberstaatsanwalt Anton Winkler bestätigte zwar dem Handelsblatt, dass auch gegen „zwei französische Leitende Angestellte von Faurecia“ ermittelt werde, ob einer davon der Konzernchef sei, wollte er nicht kommentieren. Auch Winklers Frankfurter Kollege Thomas Bechtel wollte die Meldung von „Focus-Online“ nicht kommentieren.

In der Affäre geht es nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankfurt um Schmiergeldzahlungen „von zuletzt 600 000 bis 800 000 Euro jährlich an mehrere Mitarbeiter der Einkaufsabteilungen von deutschen Automobilkonzernen.“ Zu den Profiteuren gehörten neben zwei VW- und einem Audi-Manager auch zwei ehemalige, für den Einkauf verantwortliche Manager von BMW, bestätigte Winkler am gestrigen Dienstag. Gegen die Ex-BMW-Mitarbeiter wird bereits seit Monaten ermittelt. „Bisher sind wir bei BMW davon ausgegangen, dass fünf Zulieferer verwickelt sind, nun kommt Faurecia noch hinzu“, sagte Winkler dem Handelsblatt. Bislang befanden sich im Fall BMW nur deutsche Zulieferer im Visier der Ermittlungsbehörden. Unter Verdacht steht unter anderem die bayerische Firma Grammer und ein Zulieferbetrieb aus Sachsen.

Doch der Kreis der beschuldigten Zulieferbetriebe dürfte sich noch ausweiten, ist Oberstaatsanwalt Winkler überzeugt. Die Frankfurter Behörde hatte bereits am Montag bekannt gegeben, dass sie gegen einen weiteren Zulieferbetrieb ermittelt, der sich mit illegalen Zahlungen an Einzelpersonen Aufträge erschlichen haben soll. Den Namen wollte Oberstaatsanwalt Bechtel jedoch auch am Dienstag aus „ermittlungstechnischen Gründen“ nicht preisgeben.

Am Montag war bestätigt worden, dass nach Ermittlungen des Bundeskriminalamts mehrere Personen in Untersuchungshaft genommen worden sind. Ein Faurecia-Mitarbeiter habe ein „umfangreichen Geständnis“ abgelegt. Nach dem bisherigen Ermittlungsstand soll ein ehemaliger VW-Einkaufsleiter von Faurecia mindestens 139 000 Euro in bar und weitere Zahlungen von 408 000 Euro von einem zweiten Auftraggeber erhalten haben. Ein zweiter VW-Mitarbeiter habe sich neben Bargeldzahlungen auch Möbel und Reisen schenken lassen, ein Audi-Angestellter habe mindestens 160 000 Euro kassiert. Bei BMW gehe es ebenfalls um „deutlich sechsstellige Beträge“, bestätigte Winkler.

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