Ermittlungen gegen Neubürger
Durchsuchung bei Ex-Finanzchef von Siemens

Der ehemalige Finanzchef von Siemens, Heinz-Joachim Neubürger, hat ein weiteres Strafverfahren am Hals. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg ermittelt gegen den 54-jährigen Manager nun auch im Untreue-Verfahren wegen der Zahlungen an die Arbeitnehmerorganisation AUB. Neubürger gilt demnach auch im Nürnberger Verfahren als Beschuldigter, bestätigten Justizkreise am Montag entsprechende Informationen des Handelsblatts. Neubürger war für eine Stellungsnahme zunächst nicht zu erreichen.

NÜRNBERG. Am vergangenen Mittwoch hat die Staatsanwaltschaft Nürnberg die Privaträume des ehemaligen Siemens-Managers durchsuchen lassen. Neubürger hat bei der Investmentbank JP Morgan gelernt und gilt als einer der profilierten deutschen Finanzfachleute, zwischenzeitlich galt er obendrein als engster Rivale des vorletzten Siemens-Chefs Klaus Kleinfeld.

Im Nürnberger Ermittlungsverfahren geht es um die jahrelangen Aktivitäten der Siemens wohlgesonnenen Arbeitnehmerorganisation AUB. Deren ehemaliger Vorsitzender Wilhelm Schelsky sitzt seit Februar 2007 in Untersuchungshaft, der Haftbefehl wurde erst vor wenigen Wochen bestätigt. Mit Johannes Feldmayer gehört zudem ein noch amtierender Zentralvorstand von Siemens zu den Beschuldigten im Verfahren. Feldmayer hatte mindestens einen Beratervertrag mit Schelsky im Jahr 2001 unterschrieben und saß wegen der Vorwürfe zwischenzeitlich ebenfalls in Untersuchungshaft. Sein bis September 2007 laufender Vertrag mit Siemens ruht.

Neubürger, der Siemens 2006 verlassen hatte und inzwischen einen Direktorenposten beim Private-Equity-Riesen KKR übernommen hat, wird auch von der Staatsanwaltschaft München als Beschuldigter geführt. Die Münchener Behörde ermittelt wegen der Bildung schwarzer Kassen im ehemaligen Telekommunikationsbereich Com. Sie führt zahlreiche Verantwortliche als Beschuldigte und wirft ihnen vor, mindestens 200 Mill. Euro über Jahre in ein System schwarzer Kassen geschleust zu haben. Zu den Beschuldigten gehören auch die ehemaligen Siemens-Zentralvorstände Thomas Ganswindt und Lothar Pauly. Beobachter rechnen damit, dass schon in den kommenden Wochen Anklage gegen einen der zahlreichen Beschuldigten erhoben wird.

Laut Aussagen aus Ermittlungskreisen gibt es zwischen dem Münchener Schmiergeld-Verfahren und den Ermittlungen gegen den AUB-Gründer Schelsky bisher keinerlei sachlichen Zusammenhang. Allerdings haben die Ermittlungen der Nürnberger Behörde beinahe das Ausmaß der Münchener Untersuchung angenommen. Die Nürnberger haben 70 Durchsuchungsbefehle vollzogen und mehr als 60 Zeugen und Beschuldigte vernommen. Schelskys Unternehmensberatung soll mit Billigung der Siemens-Manager Zahlungen in Millionenhöhe erhalten haben, die der AUB-Chef für die Arbeit der Organisation zweckentfremdet haben soll. Die DGB-Gewerkschaft IG Metall hat die Arbeit der AUB über Jahre kritisiert und vermutet, die Organisation werde zumindest indirekt von Siemens unterstützt.

Quelle: Pablo Castagnola
Christoph Hardt
Handelsblatt / Ressortleiter
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