Ermittlungen kommen für Impregilo zur Unzeit
Baukonzern Impregilo unter Verdacht

Nach der Pleite von Parmalat im vergangenen Jahr haben gestern Befürchtungen eines erneuten Unternehmensskandals die Börse in Mailand erschüttert. Anleger reagierten mit Panikverkäufen auf die Nachricht, dass die Staatsanwaltschaft gegen das größte italienische Bauunternehmen Impregilo ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachtes der Bilanzfälschung eingeleitet hat.

MAILAND. Öffentlich gehandelte Schuldverschreibungen der Impregilo-Gruppe fielen um gut ein Drittel auf etwa 50 Prozent ihres Nennwertes. Die Aktien des Unternehmens konnten am frühen Nachmittag nicht zum Handel zugelassen werden, da den zahlreichen Verkäufern keine Käufer gegenüberstanden. Am späten Nachmittag verloren die Papiere knapp 40 Prozent ihres Wertes. Impregilo beteuert, korrekt bilanziert zu haben.

Der Konzern wird über eine komplexe Holdingstruktur indirekt von der Familie des langjährigen Fiat-Chefs, Cesare Romiti, kontrolliert. Sowohl dessen Sohn Piergiorgio, der bei Impregilo als Exekutivchef fungiert, als auch der ehemalige Industrieminister Paolo Savona, der Präsident der Gruppe ist, haben von der Staatsanwaltschaft Ermittlungsbescheide erhalten. Die Finanzpolizei hat den Unternehmenssitz durchsucht. Zahlreiche Unterlagen wurden beschlagnahmt. Auch in den Büros der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte & Touche ist die Polizei aufgetaucht. Der Verdacht lautet, Impregilo habe in seiner Bilanz notleidende Kredite in Höhe von 300 Mill. Euro nicht korrekt verbucht. Der Jahresabschluss 2003 hat einen Umsatz von knapp drei Mrd. Euro und einen Nettogewinn von 50 Mill. Euro ausgewiesen. Impregilo ist als Generalunternehmer für zahlreiche Großprojekte in Italien, wie die geplante Brücke zwischen Sizilien und dem Festland, verantwortlich.

Die Ermittlungen kommen für Impregilo zur Unzeit: Der Konzern befindet sich inmitten einer tief greifenden Umstrukturierung und hat eine Kapitalerhöhung von 400 Mill. Euro beschlossen, die bis zum Frühjahr abgeschlossen sein soll. 2005 muss das Unternehmen Bonds ohne Rating im Volumen von 550 Mill. Euro zurückzahlen. Marktbeobachter äußern die Befürchtung, die Kapitalerhöhung werde auf Grund der juristischen Unsicherheiten verhindert – ein Bankenkonsortium ist ohnedies noch nicht gebildet worden. In der Folge besteht die Gefahr, dass die Bonds platzen. „Das sieht nicht gut aus“, sagte ein Händler der Nachrichtenagentur Dow Jones.

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