Ermittlungen wegen des Verdachts der Bestechung
Justiz sucht Daimlers dunkle Konten

Das US-Justizministerium geht einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge dem Verdacht nach, dass Daimler-Chrysler Regierungsmitarbeiter in mindestens einem dutzend afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern bestochen haben soll. Leitende Angestellte sollen davon gewusst haben.

HB NEW YORK. Die Ermittlungen des US-Justizministeriums folgen einer Untersuchung der US-Börsenaufsicht SEC. Ende September 2004 hatte ein entlassener Buchprüfer von Chrysler, David Bazzetta, den Autokonzern beschuldigt, er unterhalte wenigstens 40 geheime Konten für die Zahlung von Schmiergeldern an Regierungsbeamte in Lateinamerika. Der damalige Chrysler-Chef Dieter Zetsche hatte dem „WSJ“ gesagt, dass es keine Beweise für diese Anschuldigungen gebe. David Bazzetta wurde im Januar dieses Jahres nach 21 Jahren bei Chrysler und Daimler-Chrysler entlassen.

Die USA verfolgen Schmiergeldzahlungen von ausländischen Unternehmen im Ausland seit einem 1977 erlassenen Gesetz.

Wie das „WSJ“ unter Berufung auf mit der Situation vertraute Kreise weiter berichtet, haben sich die deutschen Behörden den neuerlichen US-Ermittlungen angeschlossen. Hintergrund sei der Selbstmord des Leiters des nigerianischen Werkes, Rudi Kornmayer, Mitte Juli in Esslingen. Die Ermittler würden einen Abschiedsbrief prüfen, in dem sich Kornmayer auf die Untersuchungen in Zusammenhang mit den Bestechungsvorwürfen beziehe. Ein Sprecher von Daimler-Chrysler in Stuttgart wollte sich auf Anfrage des „WSJ“ nicht zum Tod Kornmayers äußern.

In Ende Juli veröffentlichten Bericht zum zweiten Quartal hatte Daimler-Chrysler erklärt, dem US-Justizministerium und der SEC freiwillig die Ergebnisse der eigenen Untersuchung über Schmiergeld-Konten zur Verfügung zu stellen. Daimler-Chrysler habe einige der fraglichen Konten und darüber gelaufene Zahlungen aufgespürt. Die Transaktionen würden zur Zeit genau unter die Lupe genommen. Die interne Untersuchung dauere aber noch an und das Unternehmen sei noch nicht zu einem abschließenden Urteil darüber gelangt, ob Gesetzesvorstöße vorlägen.

Die Ermittlungen kommen für Daimler-Chrysler zu einer denkbar ungünstigen Zeit. Gerade hat der Vorstandsvorsitzende Jürgen Schrempp seinen Rücktritt zum Jahresende erklärt und Chrysler-Chef Dieter Zetsche als seinen Nachfolger vorgestellt. Mercedes-Chef Eckhard Cordes, der sich ebenfalls Hoffnungen auf den Posten machte, erwägt nun seinen Rücktritt. Die Suche nach einem Nachfolger läuft. Weitere Köpfe in der Führungsetage des Autobauers könnten rollen. Beobachter sprechen von einer Führungskrise.

Daimler-Chrysler-wollte sich nicht weiter zu den Ermittlungen äußern. Auch ein Sprecher des US-Justizministeriums wollte zu dem Sachverhalt keinen Kommentar abgeben.

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