Ermittlungen wegen Korruption
Eurofighter bangt um Saudi-Auftrag

Das Eurofighter-Konsortium bangt um den sicher geglaubten Milliardenauftrag aus Saudi-Arabien. Britische Ermittlungen wegen möglichen Schmiergeldzahlungen verzögern den Verkauf von 72 Kampfjets. Der britische Rüstungskonzern BAE Systems weist alle Vorwürfe zurück, doch die Konkurrenz wittert bereits Morgenluft.

PARIS / MÜNCHEN / LONDON. Die Gespräche zum Abschluss des Vertrags über 72 „Typhoon“-Jets gingen derzeit nicht voran, bestätigte ein Sprecher des britischen Rüstungskonzerns BAE Systems. Grund dafür sind offenbar Ermittlungen Londoner Behörden, ob es im Zusammenhang mit dem Vorläufervertrag über Tornado-Jets strafbare Schmiergeldzahlungen gab. BAE weist alle Vorwürfe zurück.

Die Regierungen Großbritanniens und Saudi-Arabiens haben im August ihre seit 20 Jahren bestehende Rüstungskooperation erneuert. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit hatten die Europäer den Saudis Tornado-Jets geliefert und die Flotte gewartet. Der neue Vertrag sieht die Lieferung von 72 Typhoon-Jets und deren Wartung vor. Er hätte für das Eurofighter-Konsortium aus BAE Systems, EADS und der italienischen Finmeccanica einen geschätzten Gesamtwert von 15 Mrd. Euro.

Im Zuge des ersten Liefervertrags sind nach Angaben von Insidern Millionensummen an saudische Prinzen und Mittelsmänner geflossen, um das Königreich für die Tornado-Flugzeuge zu gewinnen. Die Londoner Zeitungen sind voll von Schilderungen ehemaliger Diplomaten und Manager. Ausgelöst haben die Ermittlungen ein Mitarbeiter eines Londoner Reisebüros und ein BAE-Manager. Sie berichteten unter anderem, dass der Konzern Einkaufstouren von Prinzen alimentiert habe, die einmal so ausuferten, dass sie einen Jumbo-Jet für den Rücktransport der Waren chartern mussten. Ein Sprecher der Ermittlungsbehörde für schwerwiegende internationale Betrugsfälle, Serious Fraud Office (SFO), sagte, dass die Behörde im Juli 2004 die Ermittlungen begonnen habe und kein Ende absehen könne. Er wollte nicht bestätigen, dass sich die Untersuchung ausschließlich auf den alten Liefervertrag richtet und nichts mit dem neuen zu tun hat. Die Rüstungsindustrie fordert die Regierung auf, ein rasches Ende der Ermittlungen herbeizuführen. „Das SFO muss langsam zum Ende kommen, so oder so“, sagte Brinley Salzmann, Exportdirektor des Verbandes der Rüstungsindustrie. „Die Dauer der Ermittlungen schädigt unsere Beziehung zu Saudi-Arabien.“ Ein Sprecher des Rüstungsministeriums äußerte sich nicht.

Der arabische Auftrag ist für das Eurofighter-Konsortium auch deshalb wichtig, weil er als erster Exporterfolg außerhalb Europas weitere Aufträge nach sich ziehen könnte. „Wir haben ein großes Interesse, dass der Auftrag zustande kommt“, sagte EADS-Chef Tom Enders. Auch der Münchener Triebwerksspezialist MTU hofft auf das Geschäft; er ist mit einem Drittel an dem Eurofighter-Triebwerk EF 2000 beteiligt.

Seite 1:

Eurofighter bangt um Saudi-Auftrag

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%