Ermittlungen wegen Schmiergeldzahlungen
US-Börsenaufsicht setzt Daimler zu

Die Ermittlungen der US-Börsenaufsicht SEC wegen Schmiergeldzahlungen und schwarzer Konten bei Daimler-Chrysler haben den Vorstand des Autokonzerns erreicht. Vor allem bringen sie den Ex-Finanzchef Manfred Gentz in Bedrängnis.

hz / mwb STUTTGART. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen könnte die Affäre auch persönliche Konsequenzen für Ex-Finanzvorstand Manfred Gentz mit sich bringen. „Es könnte sein, dass es ihm an den Kragen geht“, heißt es von einer mit der Situation vertrauten Person. Es seien damals unter seiner Verantwortung eindeutig Sachen abgelaufen, die nicht in Ordnung gewesen seien. Wie er belangt werden kann, sei aber noch unklar.

„Die ermittelnden US-Behörden verlangen, dass jemand auf Vorstandsebene die Verantwortung übernimmt“, berichtet die Nachrichtenagentur Dow Jones unter Berufung auf informierte Kreise. Dies könne auch ein Ex-Vorstand sein. „Wir nehmen die gesamten SEC-Ermittlungen sehr ernst“, sagte eine Konzernsprecherin. Kommentieren wollte Daimler die laufenden Untersuchungen aber nicht.

Die seit Monaten schwelende Affäre um Schmiergeldzahlungen und schwarze Konten bei Daimler erreicht damit einen neuen Höhepunkt. Das US-Justizministerium und die US-Börsenaufsicht SEC ermitteln bereits seit mehr als zwei Jahren gegen den Automobilhersteller. Dabei wurden zahlreiche schwarze Konten entdeckt, die seit Jahren für Bestechungszahlungen in Afrika, Asien und Osteuropa genutzt worden waren. Zusätzlich deckten die Ermittler systematische Steuerhinterziehungen in Millionenhöhe bei Auslandsmitarbeitern auf. Daimler-Chrysler hatte die Vorwürfe bereits eingeräumt und rückwirkend die eigenen Bilanzen korrigiert.

Damit ist die Affäre aber keineswegs erledigt. „Zurzeit verhandelt der Konzern mit der SEC über eine endgültige Vereinbarung in dem Fall“, hieß es. Neben einer Strafzahlung drohe Daimler-Chrysler demnach der dauerhafte Einsatz eines externen Kontrolleurs. Ein so genannter Compliance Officer solle zusätzlich zu bestehenden Controlling-Funktionen auf unbestimmte Zeit im Auftrag der SEC und auf Kosten von Daimler-Chrysler jegliches Fehlverhalten unterbinden.

Unter dem Druck der US-Behörden hatte der Konzern bereits Anfang 2006 eine neue Abteilung namens „Corporate Compliance Operations“ geschaffen, die dem heutigen Finanz- und Controllingvorstand Bodo Uebber untersteht und von dem ehemaligen China-Chairman Roman Fischer geleitet wird. Für Daimler steht bei dem Verfahren viel auf dem Spiel. Die wegen ihrer scharfen Gangart gefürchtete SEC kann hohe Geldstrafen verhängen und sogar die in New York gelistete Aktie aus dem Handel nehmen sowie Vorstände vor Gericht zerren.

Seite 1:

US-Börsenaufsicht setzt Daimler zu

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%