Ernährung: Die einen hungern, die anderen schmeißen's weg

Ernährung
Die einen hungern, die anderen schmeißen's weg

Milliarden Tonnen Lebensmittel landen jährlich auf dem Müll. Doch manchmal denkt auch die Verpackungsindustrie nicht nur in kleinen Schachteln: Mitdenkende Kartons sollen nun helfen, das Welternährungsproblem zu lösen.
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Es wäre ein gigantischer Stau. Würde man allein die 15 Millionen Tonnen Lebensmittel, die in Deutschland jährlich auf den Müll wandern, auf Lastwagen verladen, reichte die Schlange von Berlin bis nach Peking. Nicht auszudenken, wie lang sie wäre, läge nicht nur die verschwendete Nahrung Deutschlands sondern die der ganzen Welt auf Lastern.

1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel landen pro Jahr auf dem Müll. Und das nicht nur in Industrienationen wie Deutschland. Die Welternährungsorganisation FAO hat herausgefunden: Während in den reichen Ländern zwischen 95 und 115 Kilogramm pro Kopf fortgeworfen werden, sind es in Entwicklungsländern und Schwellenländern immerhin 6 bis 11 Kilogramm pro Kopf. Entsorgt wird aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Umweltexperte Klaus Töpfer sieht eine „massiv zweigeteilte Welt zwischen Hunger und Wegwerfen.“ So würden in den Entwicklungsländern Lebensmittel oft verderben, bevor sie den Endverbraucher erreichen, sagt der ehemalige Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen. In den Industrienationen hingegen herrsche eine Wegwerfmentalität, die dazu führe, dass selbst originalverpackte Waren, deren Mindesthaltbarkeitsdatum noch nicht überschritten ist, in den Abfalleimer wandern.

Um dem Problem in Ländern wie Deutschland Herr zu werden, muss eine ganze Reihe von gesellschaftlichen Akteuren zusammenwirken. Die FAO sieht in ihrer neuen Studie Verbesserungsmöglichkeiten entlang der kompletten Wertschöpfungskette. Das bedeutet: Die Politik ist also ebenso gefragt, wie Bauern, Industrie, Handel und Verbraucher.

Die Verschwendung verringern - dazu könne auch die Verpackungsindustrie einen wichtigen Beitrag leisten, sagt die Studienmitautorin Jenny Gustavsson. Kleinere Portionsgrößen, könnten den Verbrauchern helfen, nur so viel einzukaufen, wie sie auch wirklich verzehren. Schachteln und Folien zum Wiederverschließen würden die Waren länger frisch halten. Intelligente Verpackungen, die anzeigen, ob Lebensmittel noch genießbar sind, könnten Konsumenten davon abhalten, unverdorbene Nahrung in den Müll zu geben.

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Intelligente Verpackungen zeigen, was genießbar ist

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  • Diese ewige Entwicklungshilfe. Was nutzt es, wenn wir die stark anwachsenden Bevölkerungen in Afrika, in muslimischen Ländern etc. immer wieder Nahrung senden und dann die Überbevölkerung der Erde (7 Milliarden) und übermäßiger Migrationsdruck in Richtung EU beklagt wird ?

    PARADOX. Hier darf nur Hilfe zur Selbsthilfe geleistet werden, die Leute sollen VOR ORT arbeiten für ihr Brot und ihre Lebensmittel selbst herstellen.

    Dieses kostenlose ewige Sattwerden zum Nulltarif ist falschverstandene Nächstenliebe und zerstört Europa und unsere Erde sowieso.

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