Ernährungsindustrie
Lebensmittelpreise steigen deutlich

Die Ernährungsindustrie geht von einer drastischen Verteuerung der Lebensmittel in diesem Jahr aus. Auch für das Jahr 2008 rechne die Lebensmittelindustrie mit einer Preissteigerung von vier Prozent, so der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, Jürgen Abraham. Durch den Boykott der Milchbauern drohen derweil Lücken im Kühlregal.

HB BERLIN. Das sei „die unterste Grenze“. Es sei nicht absehbar, wie sich die Rohstoff- und Energiekosten auf die Lebensmittelpreise auswirkten, sagte Abraham weiter. Auch Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer sagte, die globalen Preise würden aufgrund der wachsenden Weltbevölkerung und der steigenden Nachfrage weiter klettern, „und zwar sehr dynamisch“. Den Schätzungen der Lebensmittelindustrie schloss er sich aber nicht an. Prognosen aus dem Frühjahr seien bisher nie im Herbst eingetreten.

John Benstedt-Smith von der EU-Generaldirektion für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung sagte, der Bedarf an Nahrungsmitteln werde zunehmen, da vor allem die Nachfrage in Asien steige. Daneben wirkten sich die Energiekosten auf die Preise aus. Auf der anderen Seite gebe es Anzeichen dafür, dass der Anteil ausgesäter Flächen in diesem Jahr höher sei als im Vorjahr. Schätzungen gingen daher von einer Rekordernte beim Weizen von 650 Mill. Tonnen aus - nach gut 600 Mill. Tonnen im vergangenen Jahr.

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, verwies darauf, dass ein Preisanstieg um vier Prozent in Europa in den Entwicklungsländern ein Plus von 50 bis 100 Prozent ausmachten. Um dort die Ernährungssituation zu verbessern, müssten autoritäre Regime über die Entwicklungshilfe unter Druck gesetzt werden.

Seehofer vertrat die Ansicht, den Entwicklungsländern müsse dort geholfen werden, wo die Menschen von Hunger bedroht seien. So müsse die bäuerliche Landwirtschaft durch konkrete Projektförderung, Finanzhilfen und Beratung unterstützt werden. Um Hunger zu bekämpfen, müssten Strukturveränderungen mit Sofortmaßnahmen Hand in Hand gehen.

Die Vorsitzende der Deutschen Welthungerhilfe, Ingeborg Schäuble, kritisierte, die Industriestaaten hätten zu wenig getan, um Kleinbauern in Entwicklungsländern zu helfen. Durch die Zuspitzung bei den Preisen werde dies deutlich sichtbar. Deutschland und die EU forderte sie auf, ihre Energiepolitik zu ändern und von den festgesetzten Quoten zur Beimischung von Biosprit abzukehren. Für die Biomasse seien große landwirtschaftliche Flächen in den Entwicklungsländern ausgewiesen worden. Der Anbau sei damit in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion getreten.

Seehofer betonte dagegen, Deutschland halte an seinen Energiezielen fest. Es müsse aber auf Nachhaltigkeit und Effizienz geachtet werden.

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