Erneuerbare Energien
Preisdruck belastet Solarindustrie

Solarzellen sind derzeit so günstig wie lange nicht mehr. Seit Oktober sind die Modulpreise um 20 Prozent gefallen. Etliche Solarhersteller müssen ihre Mitarbeiter in die Kurzarbeit schicken, um die Bilanz zu retten. Vor allem der Druck auf deutsche Hersteller nimmt zu.

FRANKFURT. Als Frank Asbeck heute Morgen aufstand, dürfte er ein zufriedenes Lächeln aufgesetzt haben. Die von ihm gegründete Firma Solarworld hat ungeachtet der Branchenkrise für das Auftaktquartal ein Umsatzplus bekanntgeben. „Wir haben trotz des schlechten Wetters und gefallener Preise unsere Erlöse gesteigert“, hatte der Vorstandschef bereits vor Verkündung der Zahlen im Handelsblatt angekündigt.

Und so kam es: Die Erlöse stiegen um fünf Prozent auf 176 Mio. Euro, das Ergebnis von Steuern und Zinsen (Ebit) lag im ersten Quartal unverändert bei 39 Mio. Euro, teilte Solarworld mit. Damit übertraf das im TecDax gelistete Unternehmen die Erwartungen von Analysten. Gespürt haben die Bonner auf der Ertragsseite allerdings das vorläufige Ende des Solarbooms. Wegen des Preisdrucks ging die operative Marge von 23,3 auf 22,2 Prozent zurück.

Während Solarworld insgesamt aber eine der profitabelsten Solarfirmen bleiben dürfte, könnte der Rutsch bei den Modulpreisen bei anderen Unternehmen aber dramatische Folgen haben. „Ich rechne damit, dass einige Spieler vom Markt verschwinden werden“, betonte Asbeck im Handelsblatt.

Der Solarmarkt hat sich im Schlussquartal 2008 von einem Verkäufer- zu einem Käufermarkt gewandelt. Grund ist der Bau neuer Produktionskapazitäten und ein unerwartetes Abflauen des Booms, der mit der Zurückhaltung der Banken bei der Vergabe von Krediten für Solaranlagen zusammenhängt. „Europa, lange weltweit führend, setzt damit sogar seine Spitzenposition aufs Spiel“, befürchtet Richard Kauffman, Chef des Q-Cells-Aktionärs Good Energies.

Seit Oktober sind die Preise auf dem Solarmarkt um bis zu 20 Prozent geschrumpft, wie Conergy-Chef Dieter Ammer vergangene Woche sagte. Am stärksten betroffen sind Module chinesischer Fabrikanten, an deren Qualität viele Verbraucher zweifeln. „Jetzt trennt sich die Spreu vom Weizen“, sagte ein Modulhändler. Die Kunden würden lieber bekannte Marken wie Solarworld oder First Solar kaufen.

Wie schnell sich der Markt gedreht hat, zeigt sich an am Beispiel Yingli. Die Firma zählt zu den größten Modulproduzenten Chinas. Nach Angaben aus der Branche konnte Yingli pro Watt Spitzenleistung im vergangenen Jahr noch durchschnittlich 2,90 Euro verlangen. Heute liegt der Preis bei 1,90 Euro.

Und die Preiserosion ist noch nicht zu Ende: Conergy-Vorstandschef Ammer hält für das Gesamtjahr 2009 eine Verbilligung von durchschnittlich 30 Prozent für möglich. Der Rückgang fällt damit deutlich stärker aus als bei der Novellierung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) festgeschrieben und von der Industrie erwartet. Ende vergangenen Jahres hatten viele Solarmanager noch mit einer Verbilligung von lediglich zehn bis 15 Prozent gerechnet.

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