Erneuerbare Energien
Solarindustrie vor dem Showdown

Zwar ist Deutschland dank üppiger Förderung immer noch der größte Markt für Solartechnik auf der Welt. Im Zuge der Finanzkrise bricht die Nachfrage nach Großprojekten rund um den Globus aber ein, die Preise für Solarmodule sind im freien Fall. Der Branche droht die Konsolidierung, einigen Firmen sogar das Aus.

MÜNCHEN/FRANKFURT. Joachim Nell hat den Markt klar vor Augen. "Die nächsten Jahre werden nur die Großen überleben", sagt der Geschäftsführer von Masdar PV - "und wir sind natürlich dabei", fügt der Solarmanager hinzu. Das deutsch-arabische Unternehmen mit Sitz in Erfurt ist zwar noch ein Start-up, aber eines mit Ambitionen. Eigentümer von Masdar PV ist Mubadala, einer der größten Staatsfonds der Welt. Mubadala will mit 15 Milliarden Dollar das Emirat Abu Dhabi zum Mekka der Solarindustrie machen. Der Erfurter Masdar PV ist eine Schlüsselrolle bei diesem Plan zugedacht: Deutsche Technik und arabische Ölmilliarden sollen den Weltmarkt für Solarenergie aufrollen.

Nicht alle Aussteller auf der Münchener Leitmesse Intersolar haben derzeit so sonnige Perspektiven. Der Branche droht die Konsolidierung, einigen Firmen sogar das Aus. Jüngstes Opfer ist die Fürther Sunline, die am Mittwoch Insolvenz beantragen musste.

Die junge Solarindustrie steht am Scheideweg, hat sie doch ihre Finanzreserven massiv in den Aufbau neuer Kapazitäten investiert. Allen voran in Deutschland, China, Japan und den USA sind neue Fabriken errichtet worden. Nach Angaben der Marktforschungsfirma Photon hat sich die Produktion von Solarzellen im vergangenen Jahr auf 7,9 Gigawatt fast verdoppelt. Getrieben wurde das Wachstum vom enormen Nachfrageschub der vergangenen Jahre. Zellen und Module wurden den Herstellern aus den Händen gerissen.

Doch seit Herbst vergangenen Jahres ist die Party vorbei. Zum einen hat Spanien, zuletzt das Eldorado der Branche, die Förderung radikal gekappt. Zum anderen halten Banken sich mit Krediten für Wind- und Solarprojekte merklich zurück. Im ersten Quartal halbierte sich nach Angaben der Marktforschungsfirma New Energy das weltweit in regenerative Energieanlagen investierte Kapital auf rund dreizehn Mrd. Dollar.

Eine schnelle Entspannung wird nicht erwartet: Erst wenn die Finanzkrise überwunden sei, werde der Markt wieder anspringen, sagte Nordex-Chef Thomas Richterich kürzlich. "Und nach der Krise wird auch mehr auf Qualität geachtet", sagt Martin Heming, Chef von Schott Solar aus Alzenau, einem der führenden Komponentenhersteller der Solarindustrie.

Bis dahin werde einigen Spielern die Luft ausgehen, erwartet Solarworld-Chef Frank Asbeck. Er rechnet mit einer Konsolidierung der Branche. Wie diese aussehen wird, können die Solarmanager an der Entwicklung der Windbranche ablesen. Diese war zur Jahrtausendwende in viele Anbieter zerfasert. An der Börse hoch gehandelt wurden Namen wie Plambeck oder Umweltkontor, die mit der Projektierung von Windparks ihr Geld verdienten. Umweltkontor ist pleite und Plambeck verschwand in der Versenkung.

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