Erneuerbare Energien
Windkraft ist gerüstet für die Flaute

Die europäischen Windradhersteller spüren eine deutliche Flaute im Auftragseingang. Etliche Energieprojekte werden derzeit verschoben oder gleich ganz abgeblasen. Trotzdem erzielt die Windkraftindustrie immer noch ordentliche Erträge - und schneidet damit besser ab als die Solarbranche.

DÜSSELDORF. Für die europäische Windindustrie hat der Rückenwind in der Krise deutlich nachgelassen. Aber anders als die Hersteller von Solaranlagen erzielen die Windturbinenbauer noch ordentliche Erträge. Die Gründe dafür sind nach Ansicht von WestLB-Analystin Katharina Cholewa geringere Überkapazitäten in der Windkraftbranche sowie eine weniger schlagkräftige Konkurrenz aus Asien. "Die Qualität, die etablierte Windturbinenbauer aus Europa und Nordamerika liefern, erreichen die jungen Unternehmen aus Indien und China in der Breite noch nicht", erläutert die Expertin.

Die aktuellen Halbjahresberichte der deutschen Hersteller Nordex und Repower, der spanischen Gamesa und des dänischen Weltmarktführers Vestas belegen, dass die Branche in der Flaute steckt. So konnten die Unternehmen zuletzt weniger Neuaufträge an Land ziehen. Mit der schwächeren Geschäftstätigkeit hat sich der operative Cash-Flow ebenfalls verschlechtert. Bei Repower lag er von Anfang April bis Ende Juni bei minus 8,5 Mio. Euro, bei Nordex in den ersten sechs Monaten bei minus 54,4 Mio. Euro. Vestas hat im operativen Geschäft im zweiten Quartal 180 Mio. Euro verbrannt. Kritsch ist bei Vestas außerdem, dass das Nettoumlaufvermögen von minus 53 Mio. im Vorjahr auf plus 804 Mio. Euro stieg. Da das Unternehmen wegen der Krise einige Projekte verschieben musste, erhöhten sich allein die Lagerbestände um 547 Mio. Euro.

Doch die Unternehmen sind allesamt für eine vorübergehende Flaute gut gerüstet. Denn sie haben mit Ausnahme des spanischen Anbieters Gamesa komfortable Finanzguthaben aufgebaut. Das bedeutet, der Kassenbestand ist höher als die Finanzverbindlichkeiten. Nur die Spanier haben Nettofinanzschulden von 261 Mio. Euro.

Jedoch müssen sich die Windanlagenbauer auf Finanzierungsschwierigkeiten ihrer Kunden einstellen. Weltmarktführer Vestas beklagt, dass sich Schlüsselbanken für den Windturbinenmarkt aus dem Geschäft zurückgezogen hätten. Bisher waren in der Branche Anzahlungen von bis zu 30 Prozent auf den Auftragswert üblich. Hier mussten die Konzerne ihren Kunden Zugeständnisse machen.

Nordex erhebt nach Angaben eines Sprechers seit etwa September 2008 die sogenannte Reservierungs-Gebühr nicht mehr. Diese branchenübliche Anzahlung lag bisher zwischen fünf und zehn Prozent des Auftragswerts und diente der Planungssicherheit beider Seiten. Für den Kunden waren die Turbinen reserviert, er konnte sich im Folgenden auf Finanzierung und Genehmigungen konzentrieren. Nordex und die Wettbewerber hingegen konnten mit der Anzahlung arbeiten. Jetzt fließt das Geld erst später. "Die Zinsgewinne, die die Windanlagenbauer durch die Vorauszahlungen hatten, sind geschmälert", sagt Nord-LB-Analyst Holger Fechner.

Experten sehen die zuvor starke Verhandlungsposition der Windanlagenbauer zurzeit geschwächt. Denn besonders im wichtigen Markt Amerika sinkt die Nachfrage. "Der amerikanische Markt wird aufgrund der Finanzkrise in 2009 um bis zu 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr schrumpfen", heißt es beim Bundesverband Windenergie (BWE). Die USA waren 2008 größter Wachstumstreiber und hatten mit 31 Prozent den größten Anteil an der neu installierten Leistung weltweit.

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