Erneute Lieferverzögerung beim A380
Airbus-Chef will Standorte aufmischen

Die neuerliche Lieferverzögerung beim Riesenflieger Airbus A380 könnte Auslöser für den schwersten Einschnitt in der Geschichte des Flugzeugherstellers werden. Der neue Airbus-Chef wagt, was noch keiner seiner Vorgänger gewagt hat: Er greift die historisch gewachsene Aufgabenverteilung zwischen den Werken an, denn die ist eine schwere Bürde für das Unternehmen.

rut/HB PARIS. Die Belegschaft in Hamburg befürchtet, dass sie die Endmontage des neuen Riesenfliegers A380 an den Standort Toulouse verliert. Dabei war das Hamburger Werk gerade erst für den A380 erweitert worden – gegen den erbitterten Widerstand von Anwohnern und Umweltschützern.

Kaum glücklicher sind allerdings die Kollegen am Standort Toulouse. Denn hier geht das Gerücht um, dass die Produktion des Erfolgsmodells A320 komplett nach Hamburg verlagert wird. Arbeitnehmervertreter haben bereits vorsorglich Protest angekündigt. Mit einem Tausch des A380 gegen den A320 würde das „deutsch-französische Gleichgewicht zerschlagen“, warnt die Gewerkschaft CGT.

Dieses Risiko will Christian Streiff offenbar eingehen. Der von dem neuen Airbus-Chef vorgelegte Sanierungsplan für den schwer angeschlagenen europäischen Flugzeugkonzern sehe unter anderem vor, die Aufgaben zwischen den Hauptstandorten neu zu verteilen, heißt es in Unternehmenskreisen.

Konkreter Auslöser für die Pläne ist die neuerliche Verschiebung der Auslieferung des doppelstöckigen A380. Dies werde das Unternehmen mit 4,8 Mrd. Euro belasten, teilte der Airbus-Mutterkonzern EADS am Dienstagabend nach einer Sitzung des Verwaltungsrats mit. EADS will nun mit einem umfassenden Sparprogramm gegensteuern, das die Kosten um 30 Prozent senken und die Produktivität binnen vier Jahren um 15 Prozent steigern soll. Das werde nicht ohne den Abbau von Arbeitsplätzen gehen, sagte Streiff. Airbus werde zudem seine Produktionsstätten in Europa überprüfen und mehr Aufgaben auslagern.

Angriff auf ein Tabu

Damit wagt es Streiff als erster Airbus-Manager, ein historisch und politisch gewachsenes Tabu anzugreifen. Wenn es in der über dreißigjährigen Airbus-Geschichte um die Produktionsstandorte ging, kämpften die Partnerländer Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien bislang stets um nationales Prestige und um Arbeitsplätze. Die betriebswirtschaftliche Vernunft blieb dabei so manches Mal auf der Strecke.

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