Erneuter Einbruch
Erdrutsch im US-Automarkt

Die drei großen Autohersteller in Amerika kommen nicht aus der Krise. Ein erneuter Absatzeinbruch stellt General Motors, Ford und Chrysler vor existenzbedrohende Probleme. Die Aktionäre leiden mit.

NEW YORK. In der krisengeplagten US-Autoindustrie hat die Stimmung einen neuen Tiefpunkt erreicht. Die Aktien des wankenden Weltmarktführers General Motors (GM) sind vorige Woche auf den niedrigsten Stand seit 53 Jahren abgerutscht, Konkurrent kämpft Chrysler gegen Gerüchte um Liquiditätsprobleme. Und schon am Dienstag werden die nächsten Hiobsbotschaften erwartet: Dann geben die Hersteller die US-Verkaufszahlen für Juni bekannt. Das Marktforschungsinstitut J.D. Power prognostiziert für GM einen Absatzeinbruch von 26 Prozent. Die Rivalen Ford und Chrysler sollen in ihrem Heimatmarkt sogar gut 30 Prozent weniger Autos verkauft haben als im Juni des Vorjahres - ein Erdrutsch im mit Abstand größten Automarkt der Welt.

Alle drei US-Hersteller sind weitgehend auf schwere Geländewagen und Kleinlaster spezialisiert, die angesichts steigender Benzin- und fallender Immobilienpreise in den USA plötzlich aus der Mode gekommen sind. Für den japanischen Wettbewerber Honda, der deutlich weniger Spritschlucker im Angebot hat, erwartet J.D. Power trotz der allgemeinen Marktschwäche ein Verkaufsplus von neun Prozent.

"Wir wissen jetzt, dass große Unternehmen nicht notwendigerweise vorteilhaft sind. Und wir wissen zudem, dass kleinere Fahrzeuge attraktiver sind als große", sagte Honda-Vorstandschef Takeo Fukui dem "Wall Street Journal".

Der sich ausweitende Käuferstreik im Heimatmarkt erwischt GM, Ford und Chrysler völlig auf dem falschen Fuß. Vor Monaten hatten sie geglaubt, ihre Kostenstrukturen allmählich auf das Niveau ihrer japanischen Wettbewerber abgesenkt und damit dem veränderten Marktumfeld angepasst zu haben.

Doch selbst ein bahnbrechender Vertrag mit der Auto-Gewerkschaft UAW, die Pensionslasten in Milliardenhöhe übernahm und künftig halbierte Stundenlöhne für neue Mitarbeiter akzeptiert, hat die US-Schwergewichte nicht aus der Klemme befreien können. Es bleibt dabei: Die Umsätze fallen schneller als die Kosten. Ein "Albtraum-Szenario" drohe Realität zu werden, schreiben die Autoanalysten von Global Insight in einer aktuellen Studie.

Investoren beginnen inzwischen, um die angegriffenen Kapitalreserven der US-Hersteller zu zittern. Die Ratingagentur Fitch geht davon aus, dass die Kapitaldecke von Marktführer GM im laufenden Jahr angesichts des Markteinbruchs um mehr als zehn Mrd. Dollar schrumpfen wird.

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