Erntespezialist
Claas sieht wieder Land

Nach zwei schweren Jahren erwartet der Erntespezialist ein Umsatzplus und einen verbesserten Gewinn. Denn durch die sich erholenden Milch- und Getreidepreise können die Landwirte auch wieder mehr investieren.
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DÜSSELDORF. Wir sehen klare Signale für einen Wendepunkt", sagte der Sprecher der Geschäftsführung des Erntespezialisten Claas, Theo Freye, bei der Bilanzpressekonferenz in Düsseldorf. Er erwartet nach einer zweijährigen Flaute ein zweistelliges Umsatzplus und ein entsprechend verbessertes Ergebnis. Die Milch- und Getreidepreise würden sich wieder erholen und bei den Landwirten für verbesserte Einkommen sorgen. Auch seien die Lagerbestände des Handels inzwischen leer. Langfristig erwartet Freye wegen der steigenden Weltbevölkerung und den begrenzten Anbauflächen ohnehin eine steigende Nachfrage nach Landtechnik.

Im Ende September abgeschlossenen Geschäftsjahr 2009/10 sank der Umsatz des reinen Familienunternehmens um knapp 15 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro. Im Boomjahr 2008 hatte Claas noch einen Umsatz von 3,2 Milliarden Euro ausgewiesen. Der Konzern-Jahresüberschuss ist in zwei Jahren von 170 Millionen auf 52 Millionen Euro geschrumpft.

Trotz des schlechteren Ergebnisses hat sich die Finanzlage des Unternehmens verbessert. Die Eigenkapitalquote stieg von 35,1 auf 35,7 Prozent und die Liquidität lag erstmals über 900 Millionen Euro. Finanz-Geschäftsführer Hans Lampert begründete dies mit dem im vergangenen Jahr gestarteten Sparprogramm, das die erwarteten Verbesserungen in vollem Umfange gebracht habe.

Der Vorstand zeigte sich mit den Zahlen zufrieden. Claas habe in einem schwierigen Markt rote Zahlen vermieden und auf vielen Märkten den Marktanteil sogar ausbauen können. Das Unternehmen aus Harsewinkel in Ostwestfalen litt unter seiner starken Stellung auf den Hauptmärkten Westeuropa und Russland. Diese Märkte waren in den vergangenen beiden Jahren besonders schwach. So ist der Markt für Mähdrescher seit 2008 um 37 Prozent zurückgegangen. In Osteuropa habe es ein Minus von 75 Prozent gegeben, sagte Vertriebs-Geschäftsführer Lothar Kriszun. In Russland habe sich die Situation durch die Brände des vergangenen Sommers noch verschärft und die Einkommen der Landwirte gedrückt. Die großen Agrarkonzerne werden nach seiner Erwartung ein bis zwei Jahre brauchen, um wieder investieren zu können.

Dadurch sank der Absatz von Mähdreschern, dem wichtigsten Produkt von Claas im vergangenen Jahr, um 18 Prozent. Bei Traktoren verbuchte Claas ein Minus von 19 Prozent, vor allem weil eine Produktlinie wegen Qualitätsproblemen bei einem Zulieferer nicht lieferbar war. Lediglich den Absatz von Feldhäckslern konnte Claas um neun Prozent steigern, da diese Geräte immer mehr in der Ernte von Mais zur Gewinnung von Biomasse oder Biogas eingesetzt werden.

Von dem anhaltenden Wachstum der Landtechnikmärkte in Nord- und Südamerika profitierte Claas im Gegensatz zu seinen Nordamerikanischen Konkurrenten kaum. In den außereuropäischen Ländern erzielt Claas nur rund 16 Prozent seines Umsatzes.

Wegen des schwachen Marktes senkte Claas die Zahl der Mitarbeiter um 499 auf 8 968. Betroffen war vor allem das Traktorenwerk im französischen Le Mans. Dies führte zu Sonderaufwendungen von 14 Millionen Euro. Den sich abzeichnenden Aufschwung will Claas aber nicht mit Neueinstellungen bewältigen, sondern sich vor allem mit Zeitarbeitskräften behelfen.

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