Erschreckende Prognose
US-Autobauer erleben Absatztrauma

Es ist ein historischer Markteinbruch - Experten senken erstmals seit über zehn Jahren die Absatzprognose für den amerikanischen Markt auf unter 15 Millionen Fahrzeuge. Der Grund: Eine verherrende Mischung aus Kreditkrise, fallenden Immobilienpreisen und unablässig steigenden Benzinkosten.

STUTTGART. Die rasante Talfahrt auf dem US-Automarkt verschärft sich weiter und zieht die gebeutelte US-Autoindustrie noch tiefer in die Krise. "Wegen der Kredit- und Konjunkturkrise ist im laufenden Jahr nur noch mit 14,95 Millionen verkauften Neuwagen zu rechnen", revidierten die angesehenen Marktforscher von J.D. Power ihre Prognose. Dies wäre das niedrigste Niveau seit 1994. Im vergangenen Jahr war der Autoabsatz in den USA um 2,5 Prozent auf 16,15 Millionen Wagen gesunken. Ursprünglich hatte J.D. Power für 2008 rund 15,7 Millionen Neuwagenverkäufe prognostiziert.

In Kombination mit der Kreditkrise und fallenden Immobilienpreisen führen unablässig steigende Benzinkosten zu einem Markteinbruch, wie ihn der immer noch größte Automarkt der Welt seit einem Jahrzehnt nicht gesehen hat. "Das Worst-Case-Szenario für 2008 wird schnell Realität", schreibt die "Detroit News", Heimatzeitung der drei großen US-Autokonzerne General Motors, Ford und Chrysler. Nach wie vor rechnen die Experten aber mit einer leichten Belebung in der zweiten Jahreshälfte 2008 und vor allem 2009. Ein schwacher Trost für die sogenannten "Big Three", die seit Jahren vergebens gegen Milliardenverluste kämpfen. Auf dem US-Automarkt liefern sich die Hersteller heftige Rabattschlachten.

"Die Amerikaner erleben gerade ihr Benzintrauma", sagt der deutsche Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Innerhalb von 15 Monaten stieg der Benzinpreis in den USA um fast die Hälfte auf 3,60 Dollar für die Gallone Superbenzin. Innerhalb von sechs Jahren hat sich der Benzinpreis verdreifacht. Dudenhöffer erwartet dadurch massive Auswirkungen auf den Automarkt. In den USA werden die meisten Fahrzeuge geleast. Dudenhöffer rechnet damit, dass die Leasingfirmen auf den meist aus US-Produktion stammenden Spritfressern sitzen bleiben werden oder diese nur mit hohen Preisnachlässen auf dem Gebrauchtwagenmarkt verkaufen können. Die Folge: Die Restwerte der Fahrzeuge in den Büchern der Autobanken müssen mit immensen Abschreibungen der Realität angeglichen Und die Leasingraten für große Neufahrzeuge steigen, weil der Wertverlust eingepreist wird - mit entsprechender Bremswirkung auf die Autoverkäufe.

Nach der jüngsten Senkung der Leitzinsen durch die US-Notenbank bleibt der Dollarkurs auf absehbare Zeit unter Druck, so dass Dudenhöffer davon ausgeht, dass der hohe Benzinpreis das Kaufverhalten der Amerikaner nachhaltig beeinflussen wird. Das trifft die angeschlagenen US-Hersteller am härtesten, da ihnen sparsame Modelle fehlen.

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