Erste Marktreaktionen positiv
Siemens erwartet deutlichen Gewinnanstieg

Der Technologiekonzern Siemens hat trotz schwacher Nachfrage im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2002/03 weniger Gewinn eingebüßt als von Analysten erwartet. Die anhaltende Schwäche in seinem Telekommunikationsgeschäft machte der drittgrößte deutsche Industriekonzern dabei durch höhere Gewinne in der Medizintechnik und der Antriebstechnik wett. Im laufenden Quartal rechnet der Konzern mit einem deutlichen Gewinnanstieg.

rtr/dpa MÜNCHEN. „Mit dem Ergebnis des dritten Quartals bin ich zufrieden“, fasste Vorstandschef Heinrich von Pierer am Donnerstag die Entwicklung im abgelaufenen Quartal zusammen. Nach Steuern verbuchte Siemens einen Gewinn von 632 (Vorjahreszeitraum: 725) Mill. € und lag damit deutlich über den durchschnittlichen Analystenschätzungen von 416 Mill. €. Die meisten Bereiche seien auf gutem Weg, ihre Margenziele für dieses Jahr zu erreichen, betonte von Pierer. Für das Gesamtjahr erwarte er einen Gewinn von mindestens 2,2 Mrd. €, sagte der Siemens-Chef. Dies bedeutet einen Gewinn von etwa 500 Mill. € im Schlussquartal nach einem ausgeglichenen Ergebnis im Vorjahreszeitraum. Von Pierer kündigte zudem an, in den kommenden zwei bis drei Jahren eine Milliarde Euro an Kosten einsparen zu wollen.

Analysten zeigten sich positiv überrascht von der Ergebnisentwicklung im dritten Quartal. Die Siemens-Aktie legte in einem schwächeren Gesamtmarkt knapp ein Prozent auf 47,80 € zu.

Der Umsatz brach wegen des starken Euro, der Konjunkturflaute und des ausklingenden Kraftwerk-Booms in den USA um 15 Prozent auf 17,38 Mrd. € ein. „Die weltweit schwierigen makroökonomischen Rahmenbedingungen machten sich im Umsatz und Auftragseingang bei allen Siemens-Bereichen bemerkbar“, teilte Siemens mit. Das neu berechnete operative Ergebnis der Bereiche betrug 1,023 (1,098) Mrd. €. Hier lag die durchschnittliche Analystenschätzung bei nur 785 Mill. €.

Siemens rechnet auch im gesamten laufenden Geschäftsjahr mit einem Umsatzeinbruch. Er erwarte Erlöse in Höhe von etwa 75 Milliarden Euro, sagte Finanz-Vorstand Heinz-Joachim Neubürger. Im Geschäftsjahr 2001/2002 waren es 84 Milliarden Euro. „Das reflektiert natürlich auch die Währungseffekte, ist also ein nominaler Wert“, sagte er.

Die Konzernbereiche bewegten sich trotz des geringeren Umsatzes und des anhaltenden Preisdrucks in den Geschäften weiter in Richtung der vom Management für das laufende Geschäftsjahr 2002/^2003 (bis 30.9.) definierten Margenziele, betonte von Pierer. Für das laufende vierte Quartal erwarte Siemens eine ähnliche Entwicklung.

Größter Verlustbringer war erneut die Netzwerksparte ICN. Die Problemsparte verzeichnete im dritten Quartal 2002/2003 einen Verlust von 125 (84) Mill. € und lag damit noch etwas schlechter als von Analysten prognostiziert. Mit 72 Mill. € hätten Restrukturierungen und Kapazitätsanpassungen das Ergebnis belastet, begründete Siemens den Verlust. Pierer will sich ab Herbst selbst um das Arbeitsgebiet Information und Kommunikation kümmern, zu dem ICN gehört. Auf diesem Weg soll die Sanierung vorangetrieben werden.

Der Mobilfunkbereich ICM schloss dagegen wie erwartet mit einem knappen Plus ab. Der operative Gewinn betrug 17 Mill. € nach neun Mill. € Verlust im Vorjahreszeitraum. Verluste von 42 Mill. € machte hier allerdings die Sparte Mobiltelefone, die ein Jahr zuvor noch einen Gewinn von 28 Mill. € erzielt hatte.

Im traditionell ertragsstarken Bereich Energieerzeugung (PG) sank der Gewinn auf 279 (476) Mill. €. Hier hatten Analysten einen stärkeren Rückgang erwartet. Deutliche Gewinnsteigerungen erzielte der Bereich Medizintechnik, der insgesamt am meisten zum Konzerngewinn beisteuerte. Auch die Antriebstechnik (A&D) und die Autoelektronik-Sparte Siemens VDO verdienten mehr. Überraschend stark ins Minus rutschte daggen die Automatisierungs-Sparte Dematic.

Am Markt wurden die Zahlen in ersten Reaktionen positiv aufgenommen. „Man sieht, dass sich bei Siemens die Diversifizierung auszahlt“, sagte ein Händler. „Siemens macht einen guten Eindruck. Das Ergebnis ist klar besser als erwartet“, sagte ein anderer. Analyst Oliver Wojahn von der Berenberg Bank sagte: „Der erste Eindruck ist durchaus positiv. Der Umsatz ist zwar etwas schwächer als erwartet, dafür sind die Margen gestiegen, so dass das Betriebsergebnis eine kleine positive Überraschung darstellt.

Finanz-Chef Neubürger bekräftigte, Siemens habe im Berichtsquartal keine Infineon-Aktien verkauft. „Wenn wir da was machen, werden wir das bekannt geben“, sagte er. Gerüchte über angebliche Infineon-Verkäufe durch den mit knapp 40 Prozent größten Aktionär Siemens entbehrten jeder Grundlage.

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