Ersteigerer flogen direkt in Urlaub
Hinter Baikalfinans steckt Surgutneftegas

Zwei Tage nach der von einem US-Gericht verbotenen Zwangsversteigerung des Herzstücks des angeschlagenen russischen Ölkonzerns Yukos, zeichnet sich ab, dass der Kreml-nahe Konkurrent Surgutneftegas der Käufer ist.

mbr MOSKAU. Yuganskneftegaz (YNG) war am Sonntag wegen Milliarden-Steuerschulden von Yukos für 9,3 Mrd. Dollar an die bislang unbekannte Baikalfinancegroup versteigert worden. Die seriöse Moskauer Wirtschaftszeitung „Wedomosti“ berichtete am Dienstag, dass hinter dem Käufer Surgut stehe. Die beiden bei der Auktion als Käufer Aufgetretenen seien ranghohe Mitarbeiter des Unternehmens: Igor Minibajew und Walentina Komarowa.

Beide seien gleich nach der Ersteigerung ins Ausland für einen längeren Urlaub geflogen. Die 1,7 Mrd. Dollar für ein Deposit zur Teilnahme an der Zwangsversteigerung habe die staatlich kontrollierte Sberbank zur Verfügung gestellt, sagte Yukos-Vize Alexander Temerko. Sein Unternehmen habe bereits bei Russlands größtem Geldhaus angefragt, warum es einer unbekannten Firma soviel Kapital gegeben habe. Die Yukos-Mehrheitsaktionäre, die Menatep-Gruppe um den inhaftierten Yukos-Gründer Michail Chodorkowskij, hat bereits Klagen gegen die Käufer und deren Financiers angekündigt.

Surgut verfügt als einziger russischer Konzern über acht Mrd. Dollar freie Mittel. Der viertgrößte russische Ölförderer gilt als eng mit Kremlchef Wladimir Putin verzahnt. Die Börse begrüßte die Übernahme von YNG, das mit einer Mill. Barrel (je 159 Liter) mehr Rohöl als das Opec-Land Indonesien fördert, durch einen Anstieg der Surgut-Aktie. Für Surgut würde der Kauf von YNG Sinn machen, da die Ölfelder beider Konzerne direkt am sibirischen Strom Ob aneinander grenzen. „Für Surgut und den gesamten Markt ist dieser Kauf die beste Lösung“, sagte Swetlana Legall von der Moskauer Investmentbank Renaissance Capital. Surgut würde damit mir einer Tagesförderung von 2,4 Mill. Barrel der größte Ölkonzern Russlands. Die USA und der russische Industriellenverband kritisierten hingegen die Zwangsversteigerung, die von einem Houstoner Gericht zuvor untersagt worden war, als schädigend für Russland als Investitionsstandort.

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