Erster Quartalsverlust seit Jahren
Affinerie-Gewinn schmilzt dahin

Bernd Drouven hat als Vorstandschef der Norddeutsche Affinerie keinen leichten Job. Europas größte Kupferhütte steckt, wie andere Metallproduzenten auch, mitten im Strudel der Wirtschaftskrise. Der Manager bemühte sich auf der Bilanz-Pressekonferenz am Donnerstag allerdings, Optimismus zu verbreiten. Seine Hoffnungen ruhen darauf, dass der Markt in der zweiten Jahreshälfte anzieht.

HAMBURG. Doch trotz aller Hoffnungen: Ohne Schrammen wird die Gesellschaft, deren Aktionäre auf der Hauptversammlung am 26. Februar einer Umfirmierung zustimmen sollen, nicht durch die Krise kommen. Unter dem neuen Namen Aurubis wird die Gesellschaft erstmals seit drei Jahren einen Ergebnisrückgang verbuchen. Der operative Gewinn werde im bis Ende September 2009 laufenden Geschäftsjahr deutlich hinter den Vorjahreswert zurückfallen, sagte Drouven. Im Geschäftjahr 2007/2008 lag der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) bei 383 Mio. Euro. Eine dreijährige Rekordfahrt geht damit zu Ende.

Bei der Erholung des Kupfermarkts sollen die in verschiedenen Ländern aufgelegten Konjunkturprogramme sowie ein massiver Aufkauf von Kupferbeständen durch die Chinesen helfen. „China will seine Bestände aufbauen“, sagte Drouven. Im Gespräch sei dabei ein Volumen von 400 000 Tonnen. Die Hoffnung ist nicht unbegründet: Auch die Experten der Investmentbank Macquarie rechnen mit einem verstärkten Engagement, sie setzen aber einen Wert von maximal 300 000 Tonnen an.

Der seit einem Jahr als Vorstandschef amtierende Drouven hält daher sogar einen Zuwachs für möglich: „Ich erwarte keinen Rückgang, es wird ein Wachstum oder eine stabile Entwicklung geben.“ Der Druck auf die Preise könnte damit sinken. Die Branche produzierte im vergangenen Jahr 18 Mio. Tonnen Kupfer.

Die Kupferpreise sind seit Mitte vergangenen Jahres, als an der Metallbörse LME ein Höchststand von knapp 9 000 Dollar pro Tonne erreicht worden war, drastisch gesunken. Mit etwas über 3 000 Dollar sei der Tiefststand inzwischen aber wohl erreicht, sagte Drouven.

Der Preisrutsch hinterließ Spuren in der Bilanz des Hüttenkonzerns. Wegen Abschreibungen auf die Lagerbestände bei der im vergangenen Jahr übernommenen Cumerio rutsche das Unternehmen in die roten Zahlen – der erste Quartalsverlust seit fünf Jahren. Nach einem Vorjahresgewinn von 88 Mio. Euro stand ein Fehlbetrag von 124 Mio. Euro in den Büchern. In den Monaten Oktober bis Dezember musste der Konzern 143 Mio. Euro abschreiben. Weitere Wertberichtigungen schloss Drouven für dieses Jahr aus.

Trotz des Verlustes habe der Hüttenbetreiber besser als erwartet abgeschnitten, sagte WestLB-Analyst Ralf Dörper. Die Aktie legte zwischenzeitlich um vier Prozent zu. Der Vorstandschef betonte, operativ sei das Geschäft in Ordnung. Er verwies dabei auf eine stabile Nachfrage aus der Energiebranche.

Die Wirtschaftskrise sieht der Manager nicht nur als Belastung, sondern auch als eine Chance für Akquisitionen. „2007 und 2008 waren Firmen zu hoch bewertet“, sagte er. Dies habe sich nun grundlegend geändert. Zu konkreten Übernahmezielen oder mögliche Verhandlungen machte er keine Angaben. Ausbauen möchte die Norddeutsche Affinerie ihre Kupfererzeugung in Südamerika und China. In Europa lässt Drouven den Erwerb von Firmen aus der Weiterverarbeitung prüfen.

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