Erster Reaktor am Netz Japan steigt wieder in den Atomstrom ein

Während Deutschland weiter an der Energiewende bastelt, ist in Japan das erste Atomkraftwerk wieder ans Netz gegangen. Nach der Katastrophe von Fukushima hatte Japan alle Atomreaktoren abgeschaltet - bis jetzt.
Update: 05.07.2012 - 06:45 Uhr 15 Kommentare
Mitarbeiter der Anlage Oi setzen den Reaktor in Gang. Quelle: AFP

Mitarbeiter der Anlage Oi setzen den Reaktor in Gang.

(Foto: AFP)

TokioNach der verheerenden Atomkatastrophe im vergangenen Jahr ist am Donnerstag das erste japanische Atomkraftwerk wieder ans Netz gegangen. Der Reaktor 3 im Atomkraftwerk Oi habe um 7.00 Uhr Ortszeit wieder mit der Erzeugung von Strom begonnen, gab der Betreiberkonzern Kansai Electric am Donnerstag bekannt.

Es ist das erste Mal seit der Atomkatastrophe infolge des Erdbebens und Tsunamis vom März 2011, dass Japan wieder einen Reaktor hochgefahren hat. Nach dem Unglück im März 2011 hatte Japan alle 50 betriebsbereiten Reaktoren für Sicherheitsüberprüfungen vom Netz genommen. Damals hatten ein schweres Erdbeben sowie ein anschließender Tsunami zu Kernschmelzen im Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi geführt. Zudem war Radioaktivität in großen Mengen ausgetreten.

Erst am Wochenende war der Meiler hochgefahren worden, nachdem Ministerpräsident Yoshihiko Noda dies im vergangenen Monat für die Reaktoren drei und vier des Atomkraftwerkes Ohi angeordnet hatte. Japan könne ohne Atomenergie seinen Lebensstandard nicht halten, erklärte er.

Gegen den Wiedereinstieg der Regierung war es zu für Japan beispiellosen Anti-Atom-Demonstrationen gekommen. Bis zum GAU in Fukushima deckten AKW in Japan rund 30 Prozent des Strombedarfs. Zuletzt waren alle 50 Meiler abgeschaltet.

Die umliegenden Gemeinden und Provinzregierungen lehnten aus Sorge um die Sicherheit der Meiler ein Wiederanfahren der Reaktoren zunächst ab. Doch angesichts der wiederholten Warnungen der Atomindustrie und der Zentralregierung vor drohenden Stromausfällen in der Industrieregion Osaka gaben sie ihren Widerstand auf. Regierungschef Noda entschied daraufhin, die Reaktoren 3 und 4 im Kraftwerk Oi nach Sicherheitsüberprüfungen wieder anzufahren.

Man werde die Produktion im Reaktor 3 erhöhen und voraussichtlich ab kommenden Montag wieder mit voller Kapazität Strom erzeugen, hieß es. Reaktor 4 werde dann voraussichtlich am 18. Juli hochgefahren.

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15 Kommentare zu "Erster Reaktor am Netz: Japan steigt wieder in den Atomstrom ein"

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  • endlich hätte sie dann auch mal recht ;-))

  • Ich stimme zum Teil zu. Ob und wie Japan die Energieversorgung sicherstellen kann weiß niemand wirklich. In Japan gibt es einen riesigen und völlig undurchschaubaren Filz zwischen Politik, Administration und AKW-Betreibern, das sog. "Nuclear Village". Und glaubt man den wenigen freien Journalisten, die sich damit beschäftigen, soll auch die Yakuza (jap. Mafia) die Finger im Spiel haben. Und selbst die großen Zeitungen wagen es nicht, kritische Berichte zu veröffentlichen, investigativer Journalismus ist so gut wie unbekannt. Darum können Sie keiner "offiziellen" Zahl wirklich trauen... Wie groß der Bedarf an Atom-Strom ist, liegt völlig im Dunklen.

  • Das erinnert mich irgendwie an das Zitat von Wilhelm II: "Das Auto hat keine Zukunft, ich setze aufs Pferd!"

    Die Arroganz mancher Menschen, die glauben die Zukunft 20 Jahre fortzuschreiben zu koennen und/oder die Grenzen des Moeglichen fuer ganze Voelker oder die gesamte Menschheit zu kennen ist erschreckend.

    Gott sei Dank sind sie in der Minderheit. Sonst wuerden wir uns heute noch im Wald paaren.

  • Japan ist eine (ein paar ) Insel ,sie können nicht in einer parasitären weise wie Deutschland auf die Solidarität ihrer Nachbarn hoffen , Japan muss mit eigener kraft seine Energieversorgung sichern , das geht momentan (und sicher auch noch die nächsten 20 Jahre ) nur mit Kernkraft !
    Das ist wirklich keine Ironie !!!

  • Fehlende Energie kann man nicht von heute auf morgen durch erneuerbare ersetzen.
    Eine ehrliche Anti-Atomkraft-Bewegung würde die Position vertreten, dass der Staat Massnahmen verordnen muss, die den Verbrauch an das tatsächliche Energieangebot anpassen. Mit zunehmendem Angebot (erneuerbare Energie) könnte dann auch der Verbrauch wieder zunehmen.

  • Sehr gut Energieelite, wir Deutsche sollten uns mal raus halten aus dem was in der Welt so passiert. Japan weiss schon was besser für sie ist. Vollstes Vertrauen in Japan und seine Fähigkeiten !!!!!! Das ist keine Ironie.

  • Was in dem Artikel nicht erwähnt wird ist die Tatsache, dass die Provinzregierungen durch die ansässigen Wirtschaftsunternehmen massiv unter Druck gesetzt wurden, dem Wiederanfahren der Kernkraftwerke zuzustimmen. Sollte die Zustimmung nicht erteilt werden wurde mit Abwanderung gedroht. Dies zeigt die enge Verflechtung der Wirtschaft mit den großen Energieversorgern in Japan. man könnte dies auch als einen "atomar-industieellen-Komplex" bezeichnen.
    Alternativen zur Kernenergie haben unter diesen Voraussetzungen natürlich einen schweren Stand.

  • @babsack: Ich bitte sie den Mund zu halten bei Dingen, von denen sie keine Ahnung haben. Man muss nicht zu jedem Thema seine Meinung abgeben. Wenn man nichts weiss, darf man auch gerne mal still sein.

    Viele Gruesse aus Osaka (Japan)

    Tom

  • Naja,wenn der Lerneffekt nur schrittweise eintritt,also von GAU zu GAU,dann braucht es eben noch ein paar.Schließlich hat es nach Ansicht vieler Atomkraft Befürworter keinen einzige Toten gegben.Wie es den Arbeitern geht,die seit der Havarie in die Anlagen geschickt wurden wissen wir nicht.Wahrscheinlich geht es denen blendend und sie sehen einer strahlenden Zukunft entgegen.
    Dass Japan keine Wahl habe,ist absoluter Quatsch.

  • +++Beitrag von der Redaktion gelöscht+++

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