Erstes Pulver-Shampoo ging 1903 weg wie warme Semmeln
Schwarzkopf wäscht Deutschen seit 100 Jahren den Kopf

Hans Schwarzkopf wäscht seit 100 Jahren den Deutschen den Kopf. Der Berliner Chemiker und Drogist brachte 1903 das erste Pulver-Shampoo auf den deutschen Markt. Die Beutelchen erwiesen sich nicht als die sprichwörtliche Seifenblase, sondern gingen weg wie warme Semmeln. In dem Jahr, als die Brüder Wright den ersten Motorflug wagten, Ford seine Company gründete und das erste Mal der Startschuss bei der Tour de France fiel, kam Schaum auf dem Haupt in Mode.

HB/dpa DÜSSELDORF. Bis dahin wurden die Köpfe noch mit Kernseife geschrubbt. Wer es sich leisten konnte, griff zu teuren Ölen oder rieb sich Lebensmittel wie Eier, Milch und Bier zur Pflege in die Haarpracht. Schwarzkopf, der den schwarzen Scherenschnitt eines Männerkopfes zum Markenzeichen machte, gab noch im selben Jahr seine Drogerie auf, um sich ganz der Produktion von Shampoo zu widmen. Der englische Begriff Shampoo geht auf „Tschampo“ in der Hindi-Sprache zurück, was so viel wie Kneten, Massieren bedeutet. Seefahrer brachten das Wort von Indien aus nach Europa, wo es schon seit Ende des 19. Jahrhunderts im Gebrauch ist.

Was damals nur alle paar Wochen üblich war, gehört heute zum Alltag in Deutschland. Ob blond, brünett, rot oder schwarz - die meisten Haarschöpfe werden beim morgendlichen Duschen mit unter den Wasserstrahl gehalten. Beim Shampoo-Kauf haben die Verbraucher die Qual der Wahl: Shampoos, Colorationen und Styling-Produkte füllen in den Drogerien ganze Regalreihen. So beliefert allein der Bielefelder Großhändler Bie-Dro seine Handelspartner mit 230 Shampoo-Artikel und Haarspülungen. Pro Käufer gingen im vergangenen Jahr nach Rechnung der GfK-Marktforscher gut 1,7 Liter Shampoo über den Ladentisch.

Kosmetikproduzenten versuchen inzwischen mit Farbmerkmalen an der Shampoo-Flasche den Konsumenten einen Weg durch den Produktdschungel zu weisen. So ist Shampoo für gefärbtes Haar bei Schwarzkopf in einer roten Flaschen zu finden. An der Frage, ob der Pflegestoff oder der Duft letztlich das entscheidende Kriterium für die Käufer ist, scheiden sich die Geister. Im Trend liegen nach Herstellerangaben die Düfte einheimischer Obstsorten. Apfel ist demnach ein großer Renner, Birne ist im Kommen. „Die ganz wilde Zeit der exotischen Düfte ist vorbei“, schildert die Henkel-Produktmanagerin, Katharina Höhne.

Die Entwicklung des Shampoos in den vergangenen 100 Jahren kann durchaus mit dem des Autos verglichen werden, meint ihr Marketing- Kollege Patrick Kaminski. Schwarzkopf brachte 1927 ein flüssiges Shampoo in den Sorten Kamille und Teer auf dem Markt. Heute drehen sich die Shampoo-Produkte um Themen wie Glanz, Volumen oder fettiger Ansatz und trockene Spitzen. Dabei werden natürliche Essenzen bis hin zu Bestandteilen der Seide eingesetzt. „Kein Shampoo-Hersteller schreibt auf die Flasche: Macht sauber“, betont Kaminski. Inzwischen gibt es auch die ersten Shampoo-Flaschen und Haar-Colorationen mit Männerbildern.

Auf dem Haarpflegemarkt in Deutschland werden derzeit die Karten neu gemischt. Durch die Übernahme des Darmstädter Unternehmens Wella wäscht der US-Konzern Procter & Gamble (Pantene) auch mehr Deutschen den Kopf. Hinter den vielen Marken stehen immer weniger Anbieter. Schwarzkopf gehört seit 1995 zum Waschmittel- und Kosmetikkonzern Henkel. Schwarzkopf-Henkel (Schauma, Drei Wetter Taft, Gliss, Poly) ist nach eigenen Angaben mit einem Marktanteil von rund 30 % der Shampoo-Platzhirsch in Deutschland. Die Bundesbürger geben pro Jahr 1,6 Mrd. € für die Haarpflege aus, Tendenz steigend.

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