Ertragsprognosen
Finanzkrise erfasst Konzerne

Die weltweite Krise an den Finanzmärkten schlägt jetzt auch mit voller Wucht auf die Ergebnisse der Konzerne aus verschiedenen Branchen durch. Nicht nur die Gewinne der 500 größten US-Unternehmen werden nach Schätzung von Finanzexperten noch einmal deutlich zurückgehen. Auch in Europa sinken die Ertragsprognosen erstmals drastisch.

Vor allem deutsche Großkonzerne sind vom starken Euro, den gestiegenen Rohstoffpreisen und der sich abkühlenden Weltwirtschaft betroffen.

Unter dem Niedergang in Amerika leiden neben den Banken vor allem zyklische Konsumgüterfirmen, die inzwischen serienweise Gewinnwarnungen für das Geschäftsjahr 2008 abgeben. Nach Berechnungen des Finanzdienstleisters Thomson Financial werden die Gewinne in der US-Konsumgüterbranche um zehn Prozent sinken.

Der Aluminium-Riese Alcoa eröffnet heute die Quartalssaison in den USA. Die Ergebnisse werden einen Hinweis darauf geben, wie stark die Kreditkrise die klassische Industrie infiziert hat und damit zur Bedrohung für die Gesamtkonjunktur wird.

Am stärksten werden die Einbußen allerdings im Finanzsektor ausfallen. Hier haben die Analysten ihre Prognosen in den vergangenen Wochen auf ein fast 60-prozentiges Gewinnminus nach unten revidiert. Übereinstimmend gehen Experten davon aus, dass die Wertkorrekturen bei den Banken im ersten Quartal 2008 schockierend ausfallen werden. Die Schweizer Großbank UBS gab vor wenigen Tagen mit der Abschreibung von 19 Mrd. Dollar auf faule US-Hypotheken die Vorlage. Meredith Whitney, Analystin bei der Privatbank Oppenheimer & Co., erwartet allein für den angeschlagenen US-Marktführer Citigroup weitere Berichtigungen von 13 Mrd. Dollar. Merrill Lynch werde noch einmal sechs Mrd. Dollar berichtigen und einen deutlichen Quartalsverlust ausweisen müssen, prophezeit Whitney.

Die jüngste Erholung an den Aktienmärkten weckte in der vorigen Woche Hoffnungen, dass die schlimmsten Auswirkungen der Hypothekenkrise bereits überstanden seien. Doch Experten warnen vor Illusionen. "Noch können wir nicht sagen, ob wir das Gröbste überstanden haben", sagte Mohamed El-Erian, Co-Chef der Allianz -Tochter Pimco, einer der weltweit führenden Vermögensverwalter, dem Handelsblatt. Es werde "weitere Wertberichtigungen und weitere Opfer der Finanzkrise geben". Auch nach Auffassung der Bundesbank ist die Krise nicht ausgestanden. Den Banken stehe das Schlimmste sogar noch bevor, weil sie "Verluste nicht wie im letzten Jahr gegen ein sehr gutes erstes Halbjahr buchen können", sagte Bundesbankpräsident Axel Weber am Wochenende.

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