Erwartungen an Aufschwung gebremst
Heidelberger Druckmaschinen unter Druck

Der weltgrößte Druckmaschinenhersteller Heidelberger Druck rechnet für das laufende Geschäftsjahrmit einem weiteren Umsatzrückgang um bis zu zehn Prozent. An der strategischen Ausrichtung soll aber auch in Zukunft festgehalten werden.

HB HEIDELBERG. Die Erholung der Konjunktur in der Druckbranche zieht sich nach Ansicht von Heidelberger Druck noch länger hin. Um die Position seiner defizitären Sparte Rollenoffset zu stärken, spricht der weltgrößter Druckmaschinenhersteller mit dem US-Unternehmen Goss über eine mögliche Zusammenarbeit.

„Nach unserer derzeitigen Einschätzung haben wir noch eine geraume Wegstrecke vor uns, bis sich wieder Wachstumsraten bei Auftragseingang und Umsatz einstellen werden“, sagte Vorstandschef Bernhard Schreier auf der Hauptversammlung am Freitag in Heidelberg. Finanzvorstand Herbert Meyer wollte sich in einem Interview mit der „Börsen-Zeitung“ (Freitagausgabe) nicht mehr darauf festlegen, ob der umsatzstärkste Bereich Bogenoffset im zweiten Quartal schon wieder in die schwarzen Zahlen zurückkehren werde. Für Prognosen sei es noch zu früh. „Klar ist: Das zweite Quartal wird besser als das erste“, sagte Meyer. Im Juli hatte Schreier für die Monate Juli bis September im Bogendruck wieder Gewinne versprochen, nachdem die Sparte in den drei Monaten davor zum ersten Mal in die Verlustzone geraten war. Heidelberger Druck hatte im ersten Quartal im operativen Geschäft einen Verlust von 59 Mill. € verbucht.

Sowohl bei Bogenoffset als auch im Konzern würden Umsatz, Auftragseingang und operatives Ergebnis aber im zweiten Quartal besser ausfallen als im ersten, kündigte Meyer an. Wie der Finanzchef wich auch Schreier der Aussage aus, ob Heidelberger Druck im nächsten Geschäftsjahr 2004/05 wieder schwarze Zahlen ausweisen werde, wie sie Schreier auf der Bilanzpressekonferenz avisiert hatte. „Wir zielen darauf ab, unser Gesamtergebnis im nächsten Geschäftsjahr wieder zu verbessern“, sagte Schreier nur. Impulse soll die weltgrößte Druckmesse drupa im Mai 2004 bringen.

Die chronisch defizitären Heidelberg-Sparten Digitaldruck und Rollenoffset sollen trotz der nachlassenden Nachfrage im laufenden Jahr ihre Verluste reduzieren. Zuletzt hatte Schreier dazu erstmals auch den Teilverkauf einzelner Bereiche nicht mehr ausgeschlossen. Der von einem früheren Manager von Heidelberger Druck geführte, in der Nähe von Chicago ansässige Zeitungsdruckmaschinen-Hersteller Goss sei einer von mehreren Gesprächspartnern, mit denen Heidelberger Druck Entwicklungsmöglichkeiten für die beiden defizitären Sparten Rollenoffset und Zeitungsdruck auslote, sagte Finanzchef Meyer. Das Ergebnis der Gespräche sei aber noch offen. Spekulationen über Verhandlungen mit Goss gibt es bereits seit Monaten. „Goss hat einen hohen installierten Bestand, und dadurch ist das Unternehmen interessant“, sagte Meyer.

Für das laufende Geschäftsjahr stellt sich Heidelberg auf einen Umsatzrückgang um bis zu zehn Prozent ein. „Darauf haben wir unser ganzes Kostengerüst getrimmt.“ Auch bei nur noch 3,7 Mrd. € Umsatz könne der Konzern operativ schwarze Zahlen schreiben. Mit drastischen Umstrukturierungen und einem Personalabbau will Heidelberger Druck 2003/04 rund 200 Mill. € einsparen.

Einen Ausstieg von RWE bei Heidelberger Druck hält Meyer angesichts des niedrigen Aktienkurses derzeit für undenkbar. „Dass RWE bei einem solchen Preis wie jetzt aber aussteigt, ist aus meiner Sicht kaum vorstellbar. Wir sind in der tiefsten Krise der Druckindustrie, und man verkauft nicht auf dem Tiefpunkt.“ Der Essener Energiekonzern ist mit 50 % an Heidelberger Druck beteiligt, hat aber seit längerem seinen Ausstieg angekündigt. Die im Nebenwerteindex MDax notierten Aktien von Heidelberger Druck lagen zum Wochenschluss 0,85 % im Minus bei 25,78 €.

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