Erzbergbau
Zwei Heidelberger graben nach Ost-Schätzen

Zwei Heidelberger haben sich in den Kopf gesetzt, den deutschen Erzbergbau wiederzubeleben. Die Sache ist längst kein Hirngespinst mehr. Denn die explodierenden Rohstoffkosten machen die Vorkommen im Osten der Bundesrepublik wirtschaftlich wieder interessant.

HEIDELBERG. Mit ohrenbetäubendem Lärm heben die Baumaschinen mitten in Heidelberg eine Grube aus. Würde nicht zufällig hier in der Friedrich-Ebert-Anlage ein riesiges Loch für eine Tiefgarage gegraben, niemand käme auch nur auf den Gedanken, dass im Altbau mit der Nummer 26 gerade die Vorbereitungen für wesentlich größere Erdbewegungen getroffen werden. Titus Gebel und Thomas Gutschlag haben sich in den Kopf gesetzt, den ostdeutschen Erzbergbau wiederzubeleben. Die Sache ist längst kein Hirngespinst mehr.

"Wir gehen davon aus, dass der Rohstoffboom mindestens noch 15 Jahre andauern wird", sagt Gebel. Bei dem hohen Preisniveau wird die Öffnung neu entdeckter, alter oder auch kleinerer Lagerstätten wieder wirtschaftlich. Der 41-jährige promovierte Betriebswirt arbeitete früher für eine kanadische Explorationsgesellschaft. Vor zwei Jahren gründete er gemeinsam mit Finanzchef Thomas Gutschlag, früher in der Deutschen Börse für den Neuen Markt zuständig, die Deutsche Rohstoff AG (DRAG). Seither haben sich die beiden Rechte an Erzlagerstätten in Deutschland gesichert und sind auch schon an einigen internationalen Explorationsprojekten beteiligt. Ziel ist es, aus dem Sechs-Mann-Betrieb, der in einer Altbauetage residiert, einen mittelgroßen in Deutschland ansässigen Bergbaukonzern aufbauen. Wie sich der nicht börsennotierte Kleinbetrieb in dem kapitalintensiven Bergbaugeschäft der Großkonzerne etablieren will, erklärt Gebel: "Wir haben eine Nischenstrategie. Wir machen, was sich für die Großen nicht lohnt." Die Nachfrage nach Industriemetallen Zinn, Nickel und Seltenerdenelemente steige anhaltend.

Ob die Rechnung aufgeht, wird sich gleich am ersten Projekt entscheiden. Die DRAG hat sich die Rechte an einem Zinnvorkommen in Geyer gesichert. In der sächsischen Erde sollen 60 000 Tonnen Zinn und 57 000 Tonnen Zink mit einem Marktwert von eine Mrd. Euro liegen. Die Heidelberger stützen sich auf umfangreiche Bohrungen, die noch aus den 70er-Jahren zu DDR-Zeiten stammen. "Wenn wir erst anfangen müssten zu suchen, wären 15 Mill. Euro für die Bohrungen schnell verbrannt", sagt Gutschlag. Das Vorkommen gilt als gesichert. Im Beirat des Unternehmens tummeln sich Experten wie Professor Gregor Borg aus Halle, die Aachener Professoren Hermann Wotruba und Peter Kukla, aber auch Horst Richter, der Ex-Generaldirektor von Wismut und Stellvertretende DDR-Minister für Geologie. Geschickt haben Gebel und Gutschlag das Wissen der ehemaligen ostdeutschen Bergbauelite angezapft. Bis 2009 soll die Machbarkeitsstudie fertig sein. Läuft alles glatt, könnte DRAG 2011 mit dem Abbau in Geyer loslegen. In der traditionsreichen Bergbauregion sprechen viele schon wieder von der Rückkehr des sagenumwobenen "Berggeschrey" nach den ersten Silberfunden im Erzgebirge im 12. Jahrhundert.

Das aktuelle Berggeschrei hat der erste Großkonzern erhört. BASF hat sich mit der Venture Capital-Tochter mit zwei Mill. Euro in der letzten Finanzierungsrunde an DRAG beteiligt. Für die beiden Chefs ist das ein wichtiges Signal, das die Reputation des Projektes deutlich erhöht. Am Eigenkapital von sechs Mill. Euro sind jetzt institutionelle Investoren mit 39 Prozent beteiligt, 15,3 Prozent entfallen auf Privatleute, vier Prozent hält der Aufsichtsrat, 25,5 Prozent Gebel und 15,4 Prozent Gutschlag. "Die Investition ist für uns ein spannendes Pilotprojekt zur langfristigen Ergänzung unserer Rohstoffversorgung mit Metallen und Seltenerdenelementen", bestätigt Roberto Gualdoni, Leiter der Rohstoffversorgung bei BASF. Seltenerdenelemente sind für Flachbildschirme, Energiesparlampen und Hybridmotoren nötig. BASF-Investmentmanager Bernhard Mohr sieht "gute Chancen" für das Projekt.

Die Konkurrenz ist gewaltig. Internationale Großkonzerne wie Tinco, Anglo American oder Minera haben längst die verlorenen Schätze des Ostens entdeckt. "Wir hätten keine sechs Monate später kommen dürfen", erinnert sich Gebel. Bei fünf ehemaligen sächsischen Vorkommen hatte DRAG die Nase vorne. Mit der jetzigen Kapitalausstattung kommt DRAG durch alle Genehmigungsverfahren. Aber auch den Bergwerksbau und Abbau wollen die Heidelberger selbst erledigen. Den Kapitalbedarf schätzt Gutschlag auf rund 30 Mill. Euro. Das Geld soll durch weitere Privatplatzierungen hereinkommen. Auch ein Börsengang ist später nicht ausgeschlossen.

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