Erztarife
Chinas Stahlindustrie dämpft Erwartung an Erzpreis-Senkung

Chinas Stahlindustrie hat Forderungen nach einer kräftigen Kürzung der Eisenerzpreise zurückgeschraubt. Der chinesische Stahlverband Cisa will den Rohstoffkonzernen Rio Tinto, Vale und BHP Billiton nun eine Absenkung der jährlichen Erztarife um 35 Prozent vorschlagen. Das Angebot liegt deutlich unter dem zuvor geforderten Abschlag von 45 Prozent.

FRANKFURT. Angesichts der drastischen Auswirkungen der Finanzkrise auf die Stahlindustrie müssen die Rohstoffkonzerne erstmals seit sechs Jahren die Preise für Eisenerz und Kohle zurücknehmen. Mit den Stahlkochern in Europa und Japan einigten sich die Bergbauriesen auf eine Kürzung um 33 Prozent. Die Preise bleiben damit aber auf dem zweithöchsten Niveau in der Geschichte. Im vergangenen Jahr hatten die Konzerne noch eine Verdoppelung der Erzpreise durchdrücken können.

Seitdem hat sich die Lage auf dem Stahlmarkt grundlegend geändert. Seit Herbst sind Preise und Absatzmengen deutlich zurückgegangen. Weltmarktführer Arcelor-Mittal, aber auch Thyssen-Krupp, hat das Feuer in einigen Hochöfen gelöscht oder diese nach Wartungsarbeiten nicht wieder angefahren.

Angesichts der dramatischen Lage gingen Chinas Stahlkonzerne mit der Forderung nach einem Preisrückgang von mindestens 45 Prozent in die Gespräche mit den Minenbetreibern. Ihre Verhandlungsposition erodierte aber im Verlauf der vergangenen Monaten. Schließlich erlebt das asiatische Land einen regelrechten Stahlboom.

Befeuert von den staatlichen Förderprogrammen kletterte die Produktion auf ein Rekordniveau. Nach 500 Mio. Tonnen im vergangenen Jahr rechnen Experten für dieses mit einer Produktion von rund 600 Mio. Tonnen – mehr als jede zweite weltweit produzierte Tonne Stahl entfiele damit auf China.

Trotz seiner dominanten Stellung kann China die Phalanx der Bergbaukonzerne Rio Tinto, BHP Billiton und Vale bislang nicht durchbrechen. Denn mit dem Wachstum steigt die Abhängigkeit, müssen Chinas Produzenten den Großteil des benötigten Eisenerzes doch importieren. Nach Einschätzung von Morgan Stanley wird das Land in diesem Jahr 65 Prozent der weltweiten Erzförderung aufkaufen; dies sind 13 Prozentpunkte mehr als 2008.

Um seine Abhängigkeit zu verringern, strebt China Beteiligungen an Erzvorkommen an. Wie Australiens drittgrößter Eisenerzproduzent Fortescue gestern mitteilte, erhält der Konzern von chinesischen Investoren sechs Mrd. Dollar, um seine Förderung auszubauen. Mit dem Geld soll die jährliche Produktionsmenge auf 95 Mio. Tonnen erhöht werden. Der chinesische Stahlkonzern Hunan Valin ist bereits der zweitgrößte Aktionär von Fortescue.

Im Gegenzug für die Finanzspritze stimmte Fortescue einer Preissenkung um 35 Prozent zu. Die Konkurrenz ließ dies kalt: „Wir sehen diese Vereinbarung nicht als relevant an“, sagte eine Sprecherin von Rio Tinto. Aus Sicht von Analysten ist Fortescue zu klein, um die Gespräche zu beeinflussen. mur

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