Etappensieg im Steuerstreit
Yukos-Aktien vom Teilerfolg beflügelt

Der angeschlagene russische Ölkonzern Yukos hat vor Gericht einen Etappensieg im Steuerstreit mit dem russischen Staat errungen. Ein Moskauer Gericht erklärte am Freitag die Beschlagnahme der Konten der Yukos-Kerngesellschaft Yuganskneftegaz für unrechtmäßig.

HB MOSKAU. Nach dem Teilerfolg ist der Aktien-Kurs des vor der Pleite stehenden Unternehmens am Montag in die Höhe geschnellt. Yukos-Papiere legten im frühen Handel an der Moskauer Börse im RTS-Interfax-Index um 17,6 % auf 4,41 Dollar zu. Marktbeobachter sprachen am Montag von einem temporären Vorteil für den zu Steuernachzahlungen in Höhe von 2,8 Mrd. € verurteilten Konzern.

Ein Moskauer Gericht erklärte am Freitag die Beschlagnahme der Konten der Yukos-Kerngesellschaft Yuganskneftegaz für unrechtmäßig. Die Entscheidung ist sofort wirksam, kann jedoch vor Gericht angefochten werden. Yukos hatte wiederholt erklärt, mindestens 400 Mill. Dollar auf seinen Konten zu benötigen, um die Ölproduktion sicherzustellen. Der Streit um Yukos, der ein Fünftel des russischen Öls fördert, hat jüngst zum Anstieg der Ölpreise beigetragen. Die Yukos-Aktien schlossen in Moskau über sieben Prozent im Minus.

Yukos begrüßte die Entscheidung des Gerichts, wollte jedoch vor einer ausführlichen Stellungnahme das Urteil zunächst im Detail prüfen. Die russischen Gerichtsvollzieher kommentierten die Gerichtsentscheidung hingegen nicht. Dem Urteil war ein tagelanges Hickhack vorausgegangen: Am Mittwoch hatte ein Gerichtsvollzieher die Freigabe eines Teils der Yukos-Konten zur Finanzierung des Tagesgeschäfts und der Exporte genehmigt. Nur einen Tag später wurde die Freigabe jedoch wieder zurückgenommen, nachdem das russische Justizministeriums sie für nicht rechtmäßig erklärt hatte.

Nach Angaben von Yukos haben Gerichtsvollzieher insgesamt 900 Mill. Dollar zur Begleichung von Steuerschulden des angeschlagenen Konzerns eingezogen. In dieser Summe seien allerdings auch frühere Abbuchungen von 753,7 Mill. Dollar enthalten. Am Donnerstag seien noch einmal rund 150 Mill. Dollar abgebucht worden, hieß es weiter.

Die Exporte des angeschlagenen russischen Ölkonzerns Yukos auf dem Schienenweg sind zudem offenbar weiter gesichert, auch wenn das Unternehmen ausstehenden Transportgebühren nicht mehr zahlen kann.

„Nach dem 10. August werden die Lieferungen nicht gestoppt“, sagte Bahnsprecherin Marina Kowschowa der Nachrichtenagentur Reuters. „Wir werden weiter arbeiten wie wir es in der Vergangenheit getan haben, weil es im Interesse des Staates liegt.“ Yukos hatte erklärt, die Gebühren für den Transport von rund 300 000 Barrel Öl pro Tag nur bis Dienstag geleistet zu haben. Aus Yukos-Kreisen war verlautet, dass die Konten des Konzerns fast leer seien. Gerichtsvollzieher hatten angeordnet, alle eingehenden Beträge zur Deckung der Steuerschuld für das Jahr 2000 in Gesamthöhe 3,4 Mrd. Dollar zu beschlagnahmen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%