Ethanolbranche
Trügerischer Bio-Boom in Brasilien

Der niedrige Ölpreis und die Finanzkrise zerstören die Blütenträume der Ethanolbranche am Zuckerhut. Nun setzt eine Übernahmewelle ein, weil viele Konzerne vor dem Konkurs stehen. Vor zwei Jahren auf dem Höhepunkt des Rohstoffbooms haben sie sich massiv verschuldet, nun stecken die Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten.

SÃO PAULO. Zwei Jahre Krise treiben Brasiliens Ethanolbranche zu Übernahmen. Dabei schlucken vor allem große Hersteller die kleineren. Auch ausländische Konzerne, die bisher den Zug verpasst haben, nutzen die Chance, um doch noch im rentabelsten Standort für Ethanol weltweit anzukommen: So übernahm die brasilianische Cosan, selbst der weltweit größte Exporteur von Zucker und Ethanol, vor zwei Wochen Nova America, den zweitgrößten Zuckerproduzenten des Landes. Cosan hat jetzt Verarbeitungskapazitäten für 61 Mio. Tonnen Zuckerrohr, zwölf Tonnen mehr als zuvor. Das sind zehn Prozent der brasilianischen Ernte. Die französische Louis Dreyfus-Gruppe hat sich den Einstieg bei der Nummer zwei unter den Ethanolfabrikanten Brasiliens gesichert: bei der hochverschuldeten Santelisa-Vale-Gruppe. Auch der nordamerikanische Trader ADM, der weltweit größte Hersteller von Ethanol auf Maisbasis, verhandelt mit zwei größeren Ethanolherstellern und könnte nach vielen vergeblichen Versuchen doch noch in Brasilien einsteigen.

Die Übernahmewelle setzt jetzt ein, weil viele Konzerne vorm Konkurs stehen. Sie haben sich wegen der Finanzkrise und der sinkenden Ölpreise verkalkuliert. Die Unternehmen verschuldeten sich auf dem Höhepunkt des Biotreibstoffbooms vor zwei Jahren massiv - und sind seit Mitte letzten Jahres in Zahlungsschwierigkeiten. Bei dem niedrigen Ölpreis ist Ethanol derzeit nur in Brasilien konkurrenzfähig, weil der staatliche Konzern Petrobras die Benzinpreise über dem Weltmarktpreis künstlich hoch hält.

Doch auch in Brasilien kommen die Ethanolkonzerne nur so eben auf ihre Kosten. Neue Investoren und Kreditgeber im Ausland finden sie derzeit nicht: Der Private-Equity-Fond DGF Investimentos etwa sammelte jetzt bei brasilianischen Pensionsfonds umgerechnet rund 100 Mio. Euro ein, um in der Branche zu investieren. "Wir bekommen im Ausland kein Geld und müssen auf einheimische Geldgeber zurückgreifen", sagt Fonds-Manager Sidney Chameh. Der staatliche Energieriese Petrobras, der bis 2013 zwei Mrd. Dollar in Ethanolproduktion und-vertrieb investieren wollte, wird seine Projekte langsamer angehen lassen. Statt der geplanten 43 neuen Anlagen in Brasilien werden dieses Jahr nur 25 anlaufen.

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