EU eröffnet Verfahren
Heidelberg-Cement unter Kartellverdacht

Der deutsche Marktführer Heidelberg-Cement ist von einem Kartellverfahren gegen Zementhersteller in zehn EU-Staaten betroffen. Der Verdacht: Preisabsprachen. Während die EU-Kommission mit Vorrang ermitteln will, gibt sich das Unternehmen betont gelassen.
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HB BRÜSSEL/BERLIN. Die EU-Kommission hat ein Kartellverfahren gegen Zementhersteller in zehn EU-Staaten, darunter auch Deutschland, eröffnet. Es bestehe der Verdacht, dass die Unternehmen Ein- und Ausfuhren beschränkt sowie Preise und Marktanteile für Zement untereinander koordiniert hätten, erklärte die EU-Kommission am Freitag in Brüssel. "Die vorläufigen Untersuchungen haben gezeigt, dass die Kommission diese Ermittlung mit Vorrang ausführen sollte", erklärte die Behörde. Sie teilte aber auch mit: "Die Einleitung einer Untersuchung bedeutet nicht, dass Kartellverstöße bereits erwiesen sind."

Die EU-Wettbewerbshüter nennen - wie üblich - nicht die Namen der betroffenen Firmen. Doch der weltweit drittgrößte Zementhersteller aus Mexiko, Cemex, hatte am Donnerstag bekanntgegeben, dass die EU ein Kartellverfahren gegen ihn eröffnen werde. Nach Angaben von Cemex hat die Behörde noch sieben weitere Firmen im Visier. Sollte ihnen ein Kartell nachgewiesen werden, drohen empfindliche Geldstrafen von bis zu zehn Prozent des einschlägigen Umsatzes.

Auch Heidelberg-Cement ist in das Kartellverfahren verwickelt. Das Heidelberger Unternehmen betonte am Freitag aber, es handele sich um ein altes Verfahren, in dem es bereits im November 2008 erste Untersuchungen gegeben habe. Die Kartellvorwürfe seien von der EU bisher nicht konkretisiert worden. "Eigene Untersuchungen mit Unterstützung durch externe Anwaltskanzleien haben die Vorwürfe nicht bestätigt, so dass Heidelberg-Cement davon ausgeht, den Verdacht widerlegen zu können", hieß es in einer Mitteilung.

Bereits 1994 hatte die EU-Kommission Kartellstrafen gegen Zementhersteller verhängt, darunter Dyckerhoff, Heidelberg-Cement sowie Alsen. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte die Rekordgeldbuße gegen das Kartell aus 42 Unternehmen und Verbänden der Zementbranche später auf rund 110 Millionen Euro mehr als halbiert.

Die Kommission hatte den Firmen vorgeworfen, mehr als zehn Jahre lang die Märkte untereinander aufgeteilt zu haben.

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