EU gibt grünes Licht
Norddeutsche Affinerie darf Konkurrenten schlucken

Brüssel gibt die Übernahme der belgischen Kupferhütte Cumerio ohne Auflagen frei. Derweil spitzt sich der Streit mit dem NA-Großaktionär Mirko Kovats weiter zu: Der Wiener Investor könnte die Übernahme noch verhindern - oder zumindest weitere Aktien rausschlagen.

DÜSSELDORF. Europas größter Kupferproduzent, die Norddeutsche Affinerie (NA) mit Sitz in Hamburg, hat bei der geplanten Übernahme des belgischen Konkurrenten Cumerio einen Etappensieg errungen. Die EU-Kommission in Brüssel gab gestern den Zusammenschluss nach einer vertieften Prüfung überraschend ohne Auflagen frei. Die Aktien beider Unternehmen reagierten unterschiedlich auf die Entscheidung der Behörde. Der NA-Kurs gab nach, die Cumerio-Aktie legte in Brüssel um vier Prozent auf 29,15 Euro zu.

„Mit der Entscheidung kommen wir dem angestrebten Zusammenschluss der NA mit Cumerio einen wichtigen Schritt näher“, sagte der erst seit einer Woche amtierende NA-Vorstandschef Bernd Drouven. „Wir werden nun sehr kurzfristig mit der Angebotsfrist beginnen.“ Bereits im Juni hatte die NA angekündigt, Cumerio zum Preis von 30 Euro je Aktie oder insgesamt 780 Mill. Euro in bar übernehmen zu wollen. Danach war der Zusammensschluss allerdings mehr als ein halbes Jahr durch die noch ausstehende Freigabe durch die Brüsseler Wettbewerbshüter blockiert.

NA-Großaktionär Mirko Kovats lehnte eine Stellungnahme ab. Das Verhältnis zwischen dem Wiener Industriellen, der seine Anteile an der NA ausbauen will, und der Führungsspitze der NA gilt als äußerst angespannt. Kovats hält zwar über den von ihm kontrollierten österreichischen Mischkonzern A-Tec einen Anteil von knapp 14 Prozent an der NA, kann damit aber im Moment noch wenig ausrichten, da er nicht im Aufsichtsrat vertreten ist. Sein Ziel, nach der Hauptversammlung der NA mit zwei Vertretern in das Kontrollgremium einzuziehen, scheint mittlerweile wieder in weite Ferne gerückt zu sein.

Am Montag kündigte die NA an, die Hauptversammlung vom ursprünglich vorgesehenen Termin am 3. April auf den 29. Februar vorzuverlegen. Damit entspreche das Unternehmen „dem Wunsch unserer Aktionäre“ nach einer früheren Dividendenzahlung, sagte eine Konzernsprecherin. Das Geschäftsjahr der NA geht im September zu Ende. Kovats’ Wunsch war einer früherer HV-Termin gewiss nicht. Denn die Vorverlegung könnte zur Folge haben, dass sein Stimmrechtsanteil auf der Hauptversammlung begrenzt wäre.

Solange die Entscheidung des Bundeskartellamt in Bonn über seinen Einstieg bei der NA noch aussteht, hatte Kovats sich verpflichtet, nur fünf Prozent seiner Stimmrechte auszuüben. Das erschien zunächst unproblematisch. Inzwischen aber hat die Behörde die Prüfungsfrist vom 21. Januar bis zum 5. März und damit auf einen Termin nach der Hauptversammlung verlängert. Möglicherweise hilft Kovats aber die Begründung der Brüsseler Wettbewerbsbehörde für die Freigabe der Cumerio-Übernahme: „Die eingehende Untersuchung hat gezeigt, dass eine nachteilige Auswirkung des Vorhabens auf die Verbraucher angesichts der Überkapazität auf dem Markt ... unwahrscheinlich ist.“ Des Weiteren stellt die Kommission jedoch fest, dass die A-Tec-Tochter „Montanwerke Brixlegg der Hauptkonkurrent“ für den fusionierten NA-Cumerio-Konzern „wäre.“

Vor einer Woche kündigte Kovats deshalb an, dass A-Tec seine Aktivitäten in dem von den Wettbewerbshütern untersuchten Markt für sauerstofffreies Kupfer rasch verkaufen werde. Damit will er Befürchtungen über das Entstehen einer marktbeherrschenden Position zerstreuen und eine schnellere Entscheidungen des Kartellamts herbeiführen.

Außerdem hat er noch ein As im Ärmel. Kovats hält an Cumerio eine Sperrminorität von 25 Prozent, mit der er die vollständige Übernahme durch die NA blockieren könnte. WestLB-Analyst Michael Tappeiner geht allerdings davon, dass Kovats weiterhin hoch pokert, „um im Tausch gegen zumindest einen Teil seiner Cumerio-Aktien seinen Anteil an der NA weiter zu erhöhen.“

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Redakteur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%