EU-Kommission stellt Verfahren ein
Eon entgeht Milliardenstrafe durch Deal

Eon-Chef Wulf Bernotat hat mittels eines spektakulären Deals den jahrelangen Streit mit EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes um die Marktmacht des deutschen Versorgers beigelegt. Der Energiekonzern erklärte sich freiwillig bereit, sich – wie von der Kommission gefordert – von seinen Hochspannungsleitungen für Strom in Deutschland zu trennen. Gleichzeitig sagte er zu, Kraftwerke zu verkaufen. Im Gegenzug wird die Behörde ihre Kartellverfahren gegen Deutschlands größten Energiekonzern im Stromsektor einstellen.

DÜSSELDORF/BRÜSSEL. Mit der Einigung vermeidet Bernotat ein drohendes milliardenschweres Bußgeld. Gleichzeitig brüskiert er aber Bundesregierung und Konkurrenten, mit denen er bislang Seite an Seite gegen die Zerschlagungspläne der Kommission gekämpft hatte.

Wettbewerbskommisarin Kroes kommt durch Bernotats Zusagen allerdings einen großen Schritt bei ihrem Vorhaben weiter, die Versorger zu einer Abgabe ihrer Übertragungsnetze, den großen Überlandleitungen, zu zwingen.

Kroes kämpft seit rund zwei Jahren mit Energiekommissar Andris Piebalgs für eine Öffnung des europäischen Energiemarktes. Die EU-Kommissare versuchen dabei zum einen, bei den Mitgliedstaaten ihre Pläne für eine zwanghafte Entflechtung der Versorger durchzusetzen. Zum anderen führte die Behörde gegen große Versorger wie Eon spektakuläre Razzien durch, um Marktmissbrauch nachzuweisen. Erste Kartellverfahren wurden eingeleitet.

Eon bot am Donnerstag zum einen an, das Übertragungsnetz an einen Betreiber zu veräußern, der weder im Stromvertrieb noch in der -erzeugung aktiv ist. Eon betreibt neben RWE, EnBW und Vattenfall Europe einen Teil des deutschen Hochspannungsnetzes. Eons Bereich umfasst über 10 000 Kilometer an Leitungen. Die Analysten von Sal. Oppenheim schätzen den Wert auf knapp zwei Mrd. Euro.

Zudem sagte Eon zu, Kraftwerke mit einer Leistung von insgesamt 4 800 Megawatt abzugeben, was rund 20 Prozent von Eons Kapazitäten in Deutschland entspricht. Im Schnitt schätzen Branchenexperten den Wert eines Megawatts auf rund 600 Euro. Allerdings variiert dies je nach Energieträger stark. Zudem kann Eon die Kraftwerke auch für Tauschgeschäfte bei Übernahmen einsetzen. Die Eon-Aktie tendiert in einem schwachen Markt gestern nur leicht im Minus.

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