EU verlängert Prüfung Wackelt Bayers Monsanto-Milliardendeal?

Die EU prüft die Übernahme von Monsanto durch Bayer noch länger. Der Deal ist komplex – und hochpolitisch. Eine Analyse.
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Bayer: EU-Kommission will Monsanto-Übernahme länger prüfen Quelle: dpa
Milliardenschwere Übernahme

Die EU-Kommission verlängert die Prüffrist der Monsanto-Übernahme durch Bayer erneut.

(Foto: dpa)

DüsseldorfFür Bayer-Chef Werner Baumann ist das Kartellverfahren bei der Monsanto-Übernahme wie eine Bergbesteigung: Der Weg sei oft steiler als gedacht, mehr Anstrengungen seien nötig. Diesen Vergleich zog er Ende vergangenen Jahres und gab damit bereits einen Hinweis darauf, dass Bayer in dem Verfahren nicht so zügig vorankommt wie erwartet.

Den Gipfel hat Baumann noch lange nicht erreicht – das zeigt die am Montag bekannt gewordene erneute Fristverlängerung der EU-Kommission. Die Wettbewerbshüter haben binnen weniger Wochen ihre Frist für eine Entscheidung zweimal nach hinten verlegt. Nun will sich die Behörde bis zum 5. April dafür Zeit lassen. Was steckt hinter der weiteren Verlängerung? Wackelt die Megaübernahme sogar?

Rund 63,5 Milliarden Dollar will Bayer für Monsanto bezahlen und zusammen mit den Amerikanern zum Technologieführer in der Agrarchemie aufsteigen. Ursprünglich sollte der Deal Ende 2017 abgeschlossen sein. Doch Bayers Erwartungen hinsichtlich der Kartellverfahren erwiesen sich als unrealistisch.

Schon der Fusionsantrag gelang Bayer erst im Juli 2017 und damit mehrere Monate später als geplant. Das Ziel des Closings für Ende 2017 musste der Konzern wenig später kippen und spricht nun von „Anfang 2018“ – ein dehnbarer Begriff. Analysten wie Jeremy Redenius von Bernstein Research erwarten, dass die Leverkusener erst im zweiten Quartal eine Freigabe bekommen.

Für den Agrarchemie-Experten Redenius ist die neuerliche Fristverlängerung kein Zeichen dafür, dass Übernahme vor dem Aus steht. Die Verzögerung liegt aus seiner Sicht an der Komplexität des Deals – und daran, dass die Leverkusener wohl weitere Zugeständnisse gemacht haben, um die Wettbewerbswächter zu überzeugen.

Die EU hat gegenüber Bayer Ende vergangenen Jahres schwere wettbewerbsrechtliche Bedenken geäußert. Da hatte Bayer bereits angekündigt, sich von großen Teilen seines Saatgutgeschäfts sowie von einem wichtigen Unkrautvernichtungsmittel zu trennen. Das Paket soll für 5,9 Milliarden Euro an BASF gehen.

Doch es zeichnete sich ab, dass dies der EU nicht ausreicht. Experten halten es für wahrscheinlich, dass Bayer sich auch von seinem restlichen Saatgutgeschäft trennen muss – also von den Gemüsesorten. Daneben hat die EU offenbar Bedenken wegen der Marktmacht der kombinierten Konzerne in der digitalen Landwirtschaft. Beide entwickeln IT-Systeme und Apps zur digitalen Steuerung von Farmen.

Hinter der erneuten Fristverlängerung dürfte stecken, dass Bayer und die EU für diese weiteren Hürden mehr Zeit brauchen. In der Branche wird davon ausgegangen, dass für die restlichen Saatgutgeschäfte von Bayer die Schweizer Syngenta, aber auch erneut BASF bietet. In der digitalen Landwirtschaft geht es offenbar um die Trennung von einzelnen Software-Spezialisten und um die Frage, wie offen die Systeme von Monsanto und Bayer für Drittanbieter sind.

Die EU-Kommission steht unter hohem Druck
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5 Kommentare zu "EU verlängert Prüfung: Wackelt Bayers Monsanto-Milliardendeal?"

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  • "Für die Wettbewerbshüter ist das Fusionsvorhaben hochkomplex. Bayer hat ihnen bereits Dokumente von mehr als vier Millionen Seiten zur Verfügung gestellt. Dazu kommen detaillierte Marktanalysen und Einschätzungen von Wettbewerbern.
    EU-Kommissarin Margrethe Vestager will sicherstellen, dass die Bauern auch künftig noch genug Auswahl an Pflanzenschutzmitteln und Saatgut haben."

    Diese Absicht und die Bemühungen darum sind sicher anerkennenswert. Aber vier Millionen Seiten??!

    Wer soll die denn alles lesen? Und verstehen? Und richtig einordnen?

    Und überhaupt: Auf welche Art und Weise (und von wem genau) wurden die Kriterien festgelegt, anhand derer die Mitglieder der EU-Kommission am Ende darüber entscheiden, ob der Deal wirklich dem Gemeinwohl dient, und nicht doch eher Einzelinteressen?

  • @Herr Thomas Behrends
    Monsanto hat aus meiner Sicht einen NEGATIVEN Wert.
    Monsanto vergiftet seit Jahrzehnten die Umwelt - Äcker - Grundwasser.
    Dafür wird es spätestens nach dem Monsanto Deal Sammelklagen in den USA geben.
    Das darf dann Bayer bezahlen - ähnlich wie damals, als die Münchner Rück American Re übernommen hat und die Word Trade Center bezahlen musste - oder die Deutsche Bank nach der Übernahme einer Kreditbank für deren fehlerhaftes Verhalten 7 Mrd bezahlen musste.
    DÄMLICH DIESE ÜBERNAHME

  • Wie kann der Bayer-Vorstand nur ernsthaft davon ausgehen, dass eines der weltweit tätigen und mit einer der schlechtesten Reputation ausgestatteten Unternehmen wie Monsanto 66 Mrd. USD wert sei? Allein wie lange es dauern würde bis ein "Return-on-investment" geschehen mag? Und dann die vielen Unwägbarkeiten und die Negativ-Publicity, die sich Bayer unnötigerweise zuzieht.

    Da kann man nur hoffen, dass sich die überwiegende Mehrheit der EU-Parlamentarier diesmal ein Gewissen leisten und VETO einlegen. Genehmigt werden darf dieses Unternehmens-Monstrum jedenfalls nicht.

  • ja kalr kommt der grosse Knall erst danach.

    Cash ist King, vor allem in einer Sparte die eigentlich keiner haben will, zumindest nicht die Verbraucher.
    Hier wird doch derselbe Wahnsinn durchgezogen, wie beim Verkauf von Mannesman an Vodafone.

    Der einzige Unterschied:
    Damals verkauft man billigst die Kronjuwelen uns heute kauft man teuerst Schrott.



  • Wann kommt der große Knall? Erst nach der Übernahme!

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