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Parmalat beantragt Gläubigerschutz

Der marode italienische Lebensmittelriese Parmalat hat am Mittwoch Antrag auf Gläubigerschutz unter der neuen Regierungsverordnung gestellt. Nun sei nur noch Hoffnung auf Rettung durch die Regierung.

HB PARMA/ROM/BRÜSSEL. Parmalat-Anwalt Dario Picone sagte am Mittwoch in Parma, der Gläubigerschutz sei unter der neuen Verordnung der Regierung beantragt worden. Durch die am Dienstag im italienischen Kabinett beschlossene Notverordnung sollen nachteilige Verzögerungen, wie sie bei den gängigen Insolvenzverfahren üblich sind, vermieden und ein Zusammenbruch des achtgrößten italienischen Industriekonzerns verhindert werden.

Ein Parmalat-Sprecher sagte am Mittwoch, der Antrag auf Gläubigerschutz sei für die operative Einheit Parmalat Spa gestellt worden. Das Verfahren werde aber nach den neuen Regeln automatisch auf die gesamte Gruppe angewandt.

Die neue Rechtsverordnung zur Restrukturierung vor der Insolvenz stehender Großunternehmen sieht nach den Worten von Industrieminister Antonio Marzano ein völlig neues Vorgehen vor. Demnach entscheidet sein Ressort auf Anfrage betroffener Firmen umgehend über die Einsetzung eines Verwalters. Sollte der Minister eine so genannte außerordentliche Verwaltung genehmigen, werde er zugleich sofort auch den Verwalter berufen. Dieser werde unmittelbar nach seiner Ernennung die Geschäfte der Gesellschaft übernehmen. Als Sonderverwalter von Parmalat wird nach Angabe aus Regierungskreisen der neue Konzernchef und ausgewiesene Sanierungsexperte Enrico Bondi ernannt. Er soll den Zusammenbruch des achtgrößten italienischen Industriekonzerns mit weltweit rund 35 000 Beschäftigten verhindern.

In der Bilanz des Unternehmens soll nach Medienangaben angeblich ein Loch von bis zu zehn Milliarden Euro klaffen. Ein ehemaliger Top-Manager räumte nach Zeitungsberichten vom Mittwoch ein, dass es bereits seit 1988 Finanzmanipulationen gegeben habe. Diese seien von der obersten Unternehmensspitze angeordnet worden.

Die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi erließ in einem Eilverfahren am Dienstag ein Dekret, das Parmalat vor Gläubigerforderungen schützen und die Fortführung des Betriebs ermöglichen soll. Es gehe vor allem darum, Tausende Arbeitsplätze zu retten und landwirtschaftliche Zulieferbetriebe zu helfen.

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