EU-Werberichtlinien kommen Unternehmen zugute
DSM erwartet Boom bei Functional Food

Der holländische Chemiekonzern DSM N.V. rechnet sich mit der Integration der im September von der Roche AG erworbenen Vitaminsparte erhebliche Marktchancen bei Lebensmittelzusätzen und Pharma-Vorprodukten, aber auch im Tierfuttergeschäft aus.

HEERLEN. „Wir sind jetzt ideal positioniert, um die Chancen zu nutzen, die sich in diesen Märkten bieten“, sagte Vorstandschef Peter Elverding im Gespräch mit dem Handelsblatt. Besonders gelte das für das Geschäft mit Zusätzen, die Lebensmittel um bestimmte Eigenschaften ergänzten und zu Functional food aufwerteten.

„Unser Geschäft mit Lebensmittelzusätzen steht vor einem Boom, sobald die neue EU-Werberichtlinie geltendes Recht wird“, sagte Elverding. Zwar gebe es in einigen Ländern Akzeptanzprobleme für Lebensmittel mit Zusatzeigenschaften, etwa in Deutschland. „Aber das eigentliche Problem liegt woanders: Es sind zu viele Modeprodukte auf dem Markt, die nicht halten, was sie auf der Verpackung versprechen.“ Wenn deren Hersteller nach der neuen Rechtslage die Wirksamkeit ihrer Produkte nachweisen müssten, würden viele dieser Produkte eliminiert.

In diese Lücke will Elverding stoßen. Mit ihrem Know how in der Pharma-Auftragsproduktion könne DSM der Lebensmittelindustrie Zusätze mit wissenschaftlich erwiesener Wirkung anbieten. Als Beispiel nannte er einen von DSM biologisch hergestellten Milchzusatz, der das Nervenzellenwachstum und die kognitive Entwicklung bei Kindern stimuliere, und der in den USA schon auf große Nachfrage stoße.

Nach fast zwei Jahre währenden Verhandlungen hatten DSM und Roche den 1,85 Mrd. Euro schweren Vitamin-Deal im September endgültig besiegelt. „Die Roche-Einheiten und die bestehenden DSM-Sparte Life Science Produkte sind zusammen mit 4,5 Mrd. Euro Jahresumsatz weltweit die neue Nummer eins bei Vitaminen - vor BASF“, sagte ein Analyst der Zürcher Kantonalbank. Angesichts der zunehmenden Konkurrenz aus China müsse DSM nun allerdings die Kosten senken.

DSM insgesamt wird in diesem Jahr auf gut 8 Mrd. Euro Konzernerlöse kommen, eine Ertragsprognose gab Elverding nicht. Schon vom nächsten Jahr an wird die Sparte laut Everding allerdings mindestens 150 Mill. Euro Gewinnbeitrag abwerfen und den Gewinn je DSM-Aktie auf zunächst 70 Cents pro Aktie anheben. Parallel zur Reorganisation des erweiterten Life-Science-Geschäfts will Everding im übrigen Konzern weitere 75 Mill. Euro Jährlich einsparen und dafür 600 Arbeitsplätze abbauen.

Der Roche-Zukauf hat DSM zum Liebling der Chemieanalysten gemacht. Es hatte sich vor gut einem Jahr von seiner margenschwachen Petrochemie getrennt. Bis 2005 will DSM sich als Spezialchemiekonzern mit einem Umsatz von rund 10 Mrd. Euro und 18 % operativen Erträgen (Ebitda) neu aufstellen. „DSM hat dabei nach zahlreichen Desinvestitionen nun einen weiteren Meilenstein erreicht“, meinte Analyst Bernd Schnarr von der WGZ Bank.

Der eigentliche Wert der Vitamin-Akquisition wird sich nach Elverdings Worten allerdings erst im Laufe der Zeit erweisen. Während bei Lebensmittelzusätzen die EU-Werberichtlinien den Markt zu DSMs Gunsten veränderten, werde der Konzern in den beiden anderen Teilmärkten von anderen Effekten profitieren. Obgleich die Pharmavorprodukte und die Auftragssynthese von Wirkstoffen derzeit unter der Innovationsschwäche der großen Pharmakonzerne litten, „sind wir für Pharma nicht pessimistisch“.

Im ersten Halbjahr 2003 seien weltweit neun konventionelle und sechs biotechnisch hergestellte Arzneiwirkstoffe zur Zulassung angemeldet worden. „Bei dreien davon sind wir im Geschäft“, sagte Elverding. In den vergangenen Monaten seien viele Kapazitäten von Pharma-Zulieferern stillgelegt worden. „Daher brauchen die Arzneimittelhersteller uns, sobald die Zulassungen wieder anziehen.“

Auch das Tierfuttergeschäft, das für Vitamine ein wichtiger Zielmarkt ist aber derzeit stagniert, bietet dem DSM-Chef zufolge längerfristig Chancen. „Die Weltbevölkerung wächst, und die Tierhaltung industrialisiert sich“, sagte er. „Da wird die Tiergesundheit zu einer drängenden Frage. Wer da im Geschäft ist, der hat Gewinnchancen.“

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