EU-Wettbewerbskommissar Monti hellhörig
Autohersteller sollen neue Händlerverträge erklären

EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti verdächtigt einige Automobilhersteller, in den neuen Verträgen mit ihren Kfz-Händlern gegen Bestimmungen der reformierten EU-Kfz-Vertriebsregelung zu verstoßen.

vwd BRÜSSEL. Er habe deshalb an mehrere Hersteller die Aufforderung geschickt, sich schriftlich zu den neuen Händlerverträgen zu äußern, sagte ein Sprecher der Europäischen Kommission am Montag. Namen der Unternehmen wollte er nicht nennen, bestätigte aber jüngste Presseberichte, wonach es sich unter anderem um BMW, Volkswagen, Audi sowie Citroen handele.

„Die vier sind unter den Angeschriebenen“, sagte der Sprecher in Brüssel auf Anfrage. Es gehe „zunächst allgemein“ darum nachzuprüfen, ob die Verträge mit den Vorgaben der so genannten Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) kompatibel seien. In den „Aufforderungsschreiben“ sollen die Kfz-Hersteller Monti deshalb Details ihrer neuen Verträge nennen, ergänzte er. Sollten die EU-Wettbewerbskontrolleure darin einen Verstoß sehen, könnten sie die Autobauer unter Androhung von Kartellverfahren und Geldstrafen zu Änderungen zwingen. Da die Zeit knapp sei, würden die Antworten schnell erwartet.

Die neue GVO soll den Autohandel in der EU liberalisieren. Sie war vor Jahresfrist nach heftigem Widerstand aus der Branche von der Kommission beschlossen worden. Die neue GVO tritt am 1. Oktober in Kraft und beendet die bislang exklusiven Verträge zwischen Herstellern und Händlern. Letztere sieht die EU-Kommission als wettbewerbswidrig an. Händler dürfen künftig Neuwagen verschiedener Hersteller unter einem Dach anbieten, müssen keine eigene Werkstatt mehr unterhalten und dürfen zudem ab Oktober 2005 in anderen Ländern Niederlassungen eröffnen. Auch der Verkauf von Ersatzteilen wird geöffnet.

Automobilkonzerne und Händler versuchen deshalb seit Monaten, neue Verträge auszuhandeln, wobei wenige Monate vor deren Inkrafttreten in einigen Fällen der Streit darüber anhält. Kommissionskreise bestätigten, dass es in Brüssel formelle Beschwerden von Händlern bzw deren Verbänden gegeben habe, weil die Verträge nach deren Ansicht weit über das Zulässige hinausgingen. Nach einem Bericht des „Handelsblattes“ von Monatsanfang sind vor allem BMW, aber auch VW/Audi und Citroen in Montis Visier geraten, weil sie den künftig erlaubten Mehrmarkenverkauf angeblich durch rigide Vorgaben nahezu unmöglich machten.

Die Münchner „Automobilwoche“ zitiert etwa den Präsidenten des Europäischen Händlerverbandes Cecra, die Konzernmarken-Regelung von VW/Audi sei „absurd“, weil sie den Mehrmarkenverkauf behindere. Auf die von den Händlern beanstandeten Margen und Konditionen hat die Kommission dagegen keinen Einfluss. Ein Sprecher sagte, die Kommission könne keine Gewinnspannen vorgeben. Sollten Montis Beamte dagegen in den Verträgen zum Fahrzeugvertrieb tatsächlich Verstöße gegen die neue GVO entdecken, drohe den Hersteller Ungemach, wie es zuletzt unverblümt bei Monti geheißen hatte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%