Eurofighter
Deutsche Rüstungsindustrie profitiert von Libyenkrise

Seit gut zehn Jahren wird der Eurofighter gebaut. Doch erst seit die Briten mit dem Kampfjet fast täglich Bodenziele in Nordafrika angreifen, steigen seine Marktchancen. Deutschland dürfte davon besonders profitieren.

ManchingAuf solche Bilder haben die Marketingstrategen lange gewartet: Exakt trifft die Rakete ein libysches Panzerfahrzeug, es handelt sich augenscheinlich um einen Volltreffer. Die Videoaufnahmen stammen von der Bordkamera eines "Typhoon"-Jets, der britischen Version des Eurofighters. "Alle Staaten, die derzeit Kampfflugzeuge kaufen wollen, schauen sich diese Bilder sehr genau an", sagt ein Sprecher bei der Vorführung von EADS-Cassidian im bayerischen Manching. "Der Eurofighter ist jetzt kampferprobt, das ist wichtig."

Das maßgeblich von Deutschland im Verbund mit Großbritannien, Italien und Spanien entwickelte Kampfflugzeug ist dabei, seinen schwersten Makel abzuschütteln. Seit gut zehn Jahren wird der Eurofighter gebaut, fast 290 Maschinen sind ausgeliefert. Doch bis zu den Nato-Luftangriffen in Libyen fehlte ihm das Gütesiegel "Combat Proven". Seitdem die Briten fast täglich mit Dutzenden "Typhoons" Bodenziele in Nordafrika angreifen, wachsen die Marktchancen des Kampfjets weltweit. Denn der Eurofighter, so versichert EADS Cassidian, zeigt in Libyen eine von Militärs besonders geschätzte Fähigkeit: Als "Swing Role"-Kampfjet kann die Maschine Luftkämpfe führen und im nächsten Moment Ziele am Boden attackieren.

Die deutsche Rüstungsindustrie dürfte von einem Schub des Eurofighter-Programms besonders profitieren - auch wenn sich Deutschland aus politischen Gründen an dem Krieg nicht beteiligt. Denn die Produktionsstandorte in Manching bei Ingolstadt und Augsburg sind auf die Produktionsanteile beim Eurofighter besonders angewiesen. 25.000 Arbeitsplätze sichere das Kampfflugzeug in Deutschland, versichert Cassidian. Mit 46 Prozent dominiert die EADS-Rüstungstochter das Eurofighter-Konsortium, gefolgt von der britischen BAE Systems (33 Prozent) und der italienischen Alenia (21 Prozent).

Eigentlich ist die Produktion gesichert, denn die Industrie sitzt auf einem komfortablen Rahmenvertrag mit den europäischen Regierungen. Diese haben sich bereiterklärt, bis etwa 2017 insgesamt 620 Maschinen abzunehmen. Doch die Zahl wackelt: Im Oktober will Verteidigungsminister De Maizière entscheiden, ob Deutschland die letzten für die Luftwaffe vorgesehenen 37 Maschinen tatsächlich kauft. Auch Briten, Italiener und Spanier würden sich gerne von ihren Verpflichtungen freimachen. Immerhin liegt der sogenannte "Systempreis" eines einzigen Eurofighters bei rund 100 Millionen Euro.

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Hoffnung auf "kampferprobten" Eurofighter

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