Eurofighter mit französischem Chef?
EADS kurz vor Personal-Lösung

Die deutsche Bundesregierung hat sich wenige Tage nach der Pariser Luftfahrtmesse zuversichtlich gezeigt, dass die seit Monaten offenen Führungsfragen im europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS bald gelöst werden können.

HB BERLIN/PARIS. „Der Zeitpunkt ist jetzt günstig für eine Entscheidung, nachdem das Referendum in Frankreich vorbei ist“, sagte der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Bernd Pfaffenbach, am Mittwoch am Rande einer Veranstaltung vor Journalisten in Berlin. „Ich gehe davon aus, dass die Deutschen entsprechend ihrem Gewicht - in gleicher Stärke wie die Franzosen - personell zum Tragen kommen“, sagte Pfaffenbach weiter. Bei der Lösung der Personalprobleme werde es seiner Meinung nach „auf die bekannten Personen hinauslaufen“.

Eine Bekanntgabe der Lösung sei „vielleicht am Freitag“ zu erwarten, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am Mittwoch aus verhandlungsnahen Kreisen. Die letzten verbliebenen offenen Punkte seien aber am schwersten zu regeln. An diesem Donnerstag wollen die Co-Präsidenten des größten europäischen Flugzeugbaukonzerns, Manfred Bischoff und Arnaud Lagardère, in Paris über die Besetzung der Konzernleitung beraten.

Dem Pariser Wirtschaftsblatt „Les Echos“ (Mittwoch) zufolge sollen der bisherige Airbus-Chef Noël Forgeard und der bisherige Chef der EADS-Rüstungssparte, Thomas Enders, wie anvisiert EADS gemeinsam leiten. Forgeard bisheriger deutscher Stellvertreter Gustav Humbert soll Airbus-Chef werden. Im Gegenzug soll der französische Eurocopter-Chef Fabrice Brégier die Verteidigungssparte übernehmen. Diese Lösung galt bisher als ausgeschlossen, weil ein Franzose nicht die Kontrolle über das Eurofighter-Programm haben könne, das gegen die Rafale des französischen Konzerns Dassault antritt. Eine Bestätigung dieses Lösungsansatzes war nicht zu erhalten.

Der EADS-Großaktionär Daimler-Chrysler soll sich dem Bericht zufolge mit seiner Forderung durchsetzen, das französische Spartenchefs Enders und deutsche Spartenchefs Forgeard unterstehen. Forgeard hätte damit die Kontrolle über Airbus, die Finanzen (Peter Ring) und die Rüstungselektronik (Stefan Zoller). Letzteres ist interessant, weil Forgeard den Rüstungselektronik-Konzern Thales übernehmen will. Enders hätte die Aufsicht über die Sparten Weltraum (François Auque) und Verteidigung und die Funktionen Verkauf und Strategie. Sollte eine Einigung „auf der Zielgeraden“ noch scheitern, stünde Forgeards Sprung in die EADS-Doppelspitze in Frage.

Daimler-Chrysler und der französische Großaktionär Sogeade halten jeweils 30,07 % an EADS. An Sogeade sind jeweils zur Hälfte der französische Staat und der Medien- und Flugzeugbaukonzern Lagardère beteiligt. 5,5 % des EADS-Kapitals gehören der spanischen Staatsholding SEPI. Die restlichen 34,36 % sind über die Börse gestreut und liegen vor allem bei angelsächsischen Fonds. Airbus gehört zu 80 % EADS und zu 20 % BAE Systems.

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