Europäer bieten „Partnerschaft auf Lebenszeit“
EADS umgarnt Russlands Luftfahrtindustrie

Der Flugzeugbauer Airbus intensiviert seine Bemühungen, die russische Luftfahrt stärker einzubinden und langfristig eng mit der westeuropäischen Industrie zu verzahnen. „Wir sprechen über eine Partnerschaft auf Lebenszeit“, sagte Axel Krein, Leiter des Bereichs Unternehmensentwicklung bei Airbus.

MOSKAU/ FRANKFURT. Dabei nannte er in Moskau ein jährliches Umsatzvolumen von rund einer Mrd. Dollar, mit der Russlands Industrie über die nächsten 20 bis 25 Jahre rechnen könne. Krein: „Das ist wie eine Hochzeit.“ Wie es in Unternehmenskreisen hieß, soll Russland auch in die Entwicklung eines A320-Nachfolgers eingebunden werden, der Anfang des nächsten Jahrzehnts erstmals abheben und das Massensegment der 100- bis 200-Sitzer abdecken soll. Die erfolgreiche A320-Familie wird bisher weitgehend in Hamburg produziert.

Der US-Konzern Boeing schickte prompt eine Antwort auf die Avancen des europäischen Erzrivalen: „Wir werden alles daran setzen, unsere führende Rolle bei der Kooperation mit der russischen Industrie zu halten“, sagte der Moskau-Statthalter von Boeing, Sergej Kravchenko.

Anlass für die Initiativen von Airbus und Boeing ist ein am Dienstag von Russlands Präsident Wladimir Putin unterzeichneter Erlass, der die Vereinigung aller Flugzeughersteller des Landes in einer staatlich kontrollierten Gesellschaft vorsieht (Handelsblatt vom 16.2.). Damit will Putin die marode Luftfahrtindustrie wiederbeleben, die sich seit dem Zerfall der Sowjetunion 1991 in der Rezession befindet. In der Holding namens Unified Aircraft sollen beiden Kampfjethersteller Mig und Sukhoi, die zivilen Flugzeugbauer Tupolew und Iljuschin sowie weitere Firmen wie Irkut und Kapo gebündelt werden. Die Fusion soll bis zum 1. April 2007 abgeschlossen werden, wobei Putins Erlass einen Staatsanteil von „mindestens 75 Prozent“ vorsieht.

Beobachter werten den Schmusekurs der beiden weltgrößten Flugzeugbauer Richtung Kreml als bisherigen Höhepunkt einer intensiven Verkaufskampagne, mit der Airbus und Boeing um den Zugriff auf die Überreste der einst renommierten Luftfahrtindustrie in Russland kämpfen. Das Land gilt nicht zuletzt als interessanter Absatzmarkt: Die Fluglinien der früheren Sowjetunion operieren noch weitgehend mit veralteten Maschinen aus heimischer Produktion; gegen jüngere Modelle der westlichen Hersteller sind die Flugzeuge von Tupolew und Iljuschin jedoch längst nicht mehr wettbewerbsfähig. Allein der osteuropäische Marktführer Aeroflot hat derzeit eine Bestellung über 34 neue Langstreckenjets im Wert von rund drei Mrd. Dollar ausgeschrieben. Boeing bietet seine Neuentwicklung 787 „Dreamliner“ an, Airbus kontert mit dem zweistrahligen Konkurrenzmodell A350.

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