Europäer streben zur Weltspitze
Pharmafirmen kaufen groß ein

Europas Pharmaunternehmen streben zur Weltspitze. Besonders die mittelgroßen Arzneimittelhersteller wollen mit Zukäufen zu den übermächtigen US-Konzernen aufschließen. Die Serie von Fusionen setzte am Montag die belgische Gruppe UCB mit dem Erwerb der Monheimer Schwarz Pharma fort. Die Erklärung für diese Entwicklung ist einfach.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Mit einem Umsatz von künftig rund 3,3 Mrd. Euro und einem Forschungsetat von 770 Mill. Euro rückt UCB voraussichtlich auf Position 24 in der Pharmabranche vor. Das belgische Unternehmen ist sich mit der Gründerfamilie bereits über den Kauf ihrer 60 Prozent an Schwarz Pharma einig. Den anderen Aktionären will es ein Angebot in Höhe von 91,10 Euro je Aktie unterbreiten. Nach dem Angebot legte die Schwarz-Pharma-Aktie um gut ein Fünftel zu, UCB-Papiere um gut ein Prozent.

Erst in der vorigen Woche hatte die dänische Nycomed die größere Altana Pharma übernommen, am selben Tag hatte Merck den Kauf des Biotech-Unternehmens Serono angekündigt. Mitte des Jahres schluckte Bayer den Berliner Schering-Konzern und rückte damit ins obere Mittelfeld der Pharmabranche auf. Branchenkenner bewerten den Konsolidierungstrend überwiegend positiv.

„Die Fusionen tun der Branche gut. Es ist wichtig für die europäische Arzneimittelindustrie, mehr kritische Masse aufzubauen“, sagte Pharma-Analyst Olaf Tölke von der Ratingagentur Standard & Poor’s. „Was überrascht, ist die Geschwindigkeit der Fusionswelle“, sagt Sven Uwe Vallerien von der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton. Jetzt komme es darauf an, die Zukäufe schnell zu integrieren und gleichzeitig die Produktentwicklung voranzubringen.

Seit der Übernahme von Aventis durch Sanofi vor gut zwei Jahren sind bei den Fusionen im Pharmasektor ganz überwiegend europäische Unternehmen die treibenden Kräfte. Daneben gab es mehrere Zusammenschlüsse unter den mittelgroßen japanischen Pharmafirmen. Die US-Konzerne dagegen beschränkten sich weitgehend auf einige kleinere Übernahmen im Biotechsektor.

Hintergrund dieser Entwicklung ist zum einen der Nachholbedarf in der europäischen Pharmaindustrie, die noch deutlich fragmentierter ist als ihr US-Pendant. Darüber hinaus profitieren die Europäer auch von der wachsenden Bedeutung von Spezialmedikamenten für die Pharmabranche. Tendenziell sind europäische Firmen in diesen Nischen des Pharmamarktes stärker positioniert. Spezialmedikamente, darunter zum Beispiel viele Krebs- oder Rheumamittel, werden überwiegend von Fachärzten verordnet und zeichnen sich durch geringeren Preisdruck sowie niedrigere Marketingkosten aus. Durch Konzentration auf solche Spezialitäten eröffnet sich für Hersteller die Möglichkeit, auch ohne riesige Außendienstmannschaft ein globales Geschäft aufzubauen.

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